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15.07.2013

14:55 Uhr

Der Werber-Rat

Frei handeln statt frei lauschen

Die Daten-Sammelwut der Geheimdienste gefährdet in letzter Konsequenz, was sie eigentlich schützen soll: Die freie – und das heißt – auf Vertrauensvorschuss gegründete Gesellschaft.

Die Daten-Sammelwut der Geheimdienste gefährdet in letzter Konsequenz, was sie eigentlich schützen soll. dpa

Die Daten-Sammelwut der Geheimdienste gefährdet in letzter Konsequenz, was sie eigentlich schützen soll.

„Geschieht Mutter ganz recht, wenn mir die Hände erfrieren. Warum kauft sie mir keine Handschuhe!“ Mit diesem Witz lassen sich zurzeit einige surreale Verhaltensweisen im internationalen Kontext beschreiben. Wer darüber nicht lachen kann, hält absurdes Handeln offenbar für korrekt und sinnvoll. Da ist das Problem mit der Daten-Sammelwut der Geheimdienste. Sie gefährdet in letzter Konsequenz, was sie eigentlich schützen soll: Die freie - und das heißt - auf Vertrauensvorschuss gegründete Gesellschaft.

Da ist auch die Idee eines gemeinsamen Marktes von USA und EU, zweifellos ein Jahrhundertwerk, das allen Beteiligten große Vorteile bringt, vor allem Deutschland und dem von Bürokraten irregeleiteten Europa. Diese sollten sich sogar beeilen, denn jenseits des Atlantiks verstärkt sich der Trend, nach langer Abstinenz wieder auf die eigene Produktion zu bauen. Uncle Sam will nicht mehr nur Kunde sein, sondern auch Anbieter. Er will sich nicht auf die Kollektion aus Silicon Valley beschränken. Die Schiefergasrevolution senkt seine Energiepreise radikal. Bei seiner enormen Power und Risikolust steht zu erwarten: Wo er den Warenkoffer öffnet, müssen sich Konkurrenten warm anziehen.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Das heißt nicht, Europa müsse um Kaugummi und Schokolade betteln. Es heißt auch nicht, es müsse sich klaglos auf jede Heftzwecke setzen, die ihm der große Bruder auf den Stuhl legt. Gut bezahlte Kommissare in Brüssel oder Spitzenkandidaten der deutschen Opposition sollten aber fähig sein, die logischen Ebenen rational im deutschen Interesse auseinanderzuhalten. Datengier und freier Handel haben nämlich nichts mit einander zu tun. Es handelt sich um andere Interessen und andere Akteure. Es gibt sogar Amerikaner, denen es schummrig wird, wenn aus der totalen Überwachung die totalitäre wird. Es wäre doch gut und nützlich, ihnen an der Theke zu begegnen und das gemeinsame Problembewusstsein zu fördern.

Wenn es unter Freunden Kommunikationsprobleme gibt, hilft nur eines: Kommunizieren - auf möglichst jeder Ebene und vor allem dort, wo es beiden Seiten nützt. Es hilft nicht, einem geschürten Misstrauen nachträglich neue Gründe zu liefern.

Der Autor ist einer von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben. Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

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Kommentare (2)

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Account gelöscht!

15.07.2013, 15:09 Uhr

Sorry für diesen Offtopic-Kommentar, aber das HB ist mal wieder unglaublich.Der folgende AfD-Artikel ist ohne Kommentartab:

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/alternative-fuer-deutschland-afd-will-mehr-als-die-anti-euro-partei-sein/8497846.html

Offenbar darf man der dortigen Behauptung nicht widersprechen, daß die AfD nicht unter den offizielle 5% liegt und auf das alternative "Wahl-o-meter" verweisen.
http://wahl-o-meter.com/Willkommen.html

Es wird damit IMMER KLARER, daß die AfD ÜBER 5% liegt und hier gelogen wird, wie gedruckt, um Wähler zu manipulieren.

Liebe HB-Red-Aktion, das ist "unter aller SAU" - so offen Euch selbst vorzuführen ist noch nicht einmal besonders klug.
Eigentlich wäre hier ein "Shitstorm" fällig!

Berater

16.07.2013, 10:36 Uhr

Der Datenskandal und die umfassende Cyperspionage sind nicht nur für den Privatmenschen eine ernüchternde Erkenntnis. Die richtigen Folgerungen müssen nun vorrangig bei Mittelständlern liegen. Niemand kann glauben, dass nur Daten gesammelt würden, um evtl. Bedrohungen vorzubeugen. Natürlich nimmt man dazu gleich diverse Daten aus Firmen mit und verwertet sie für die eigene Wirtschaft. IT-Sicherheit ist für den Mittelstand überlebensnotwendig. Mehr dazu: http://marquardt-strategie.de/wissensarchiv-strategie.html

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