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11.03.2016

17:21 Uhr

Der Werber-Rat

Fußball ist doch nicht berechenbar

VonChristoph Metzelder

Die Bayern-Dominanz macht die Bundesliga langweilig. Das mag für die Tabellenspitze stimmen. Im Mittelfeld jedoch geht die Post ab. Die Unvorhersehbarkeit sorgt für Spannung. Vermarktet wird das allerdings kaum.

Die Bayern werden nicht wirklich gejagt. Ihre Dominanz macht die Liga langweilig. Man sollte dem Mittelfeld mehr Aufmerksamkeit schenken. Reuters

Bayern-Jäger Fehlanzeige

Die Bayern werden nicht wirklich gejagt. Ihre Dominanz macht die Liga langweilig. Man sollte dem Mittelfeld mehr Aufmerksamkeit schenken.

Vor zwei Wochen habe ich über Wettbewerbsregulierung im Leistungssport geschrieben und warum planwirtschaftliches Denken die Qualität von Profiligen steigern kann. Ein neuralgischer Punkt, der vor allem vom europäischen Establishment kritisch beäugt wurde. Denn im Gegensatz zum Franchise-System der USA, ist hier die wirtschaftliche Größe entscheidend, was oft zu einer Aufwärtsspirale der Macht führt. Der FC Bayern hat in diesem Jahr die Chance, zum vierten Mal in Folge Meister zu werden. In den letzten Jahren stand dieses Resultat schon im Frühjahr fest. Spannung in der Meisterschaft? Fehlanzeige.

Wie sehr die Attraktivität unserer Liga in der Außenwahrnehmung leidet, zeigt sich in den Wachstumsmärkten. Die Fans in China monieren die Vormachtstellung der Bayern. In unserer Innenwahrnehmung sind wir zwiegespalten. Einen Fan des Hamburger SV interessiert die Dominanz der Bayern im Zweifel nur an zwei Spieltagen im Jahr. Dass an diesen Tagen die Anzahl an vorsätzlich gesperrten Spielern höher als sonst liegt, zeigt aber auch, in welchem Stadium wir sind.

Sind wir damit die berechenbarste Liga der Welt? Die Antwort lautet Jein! Die DFL untersuchte ab der Saison 2005/2006 zehn Jahre lang 13.570 Ligaspiele in den relevanten Ligen Europas. Darin zeigt sich, dass die Bundesliga weniger berechenbar ist als die direkte Konkurrenz der Primera Division und Premier League. Nur die Spiele der Bayern lassen sich prognostizieren. Der Rest ist verhältnismäßig offen.

Ein starkes Pfund, das wir im Ausland kommunikativ stärker aktivieren könnten. Vielleicht müssen wir den Marketing-Fokus woanders legen. Wir sind das Land des Mittelstandes, hier ist die meiste Bewegung - wohl auch was die Bundesliga angeht. Und ich kann endlich akzeptieren, dass ich in der Sky-internen Tippspieltabelle der Experten an letzter Stelle stehe.

Der Autor: Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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