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25.04.2013

07:36 Uhr

Der Werber-Rat

Fwd: Re: re: re: re: re: Unwichtig

VonStefan Kolle

Soziale Netzwerke und E-Mails lenken uns täglich ab. Das lässt auch die Produktivität sinken. Zeit, nicht nur in der Schule, sondern auch in Unternehmen Medienkompetenz zu lehren.

Soziale Netzwerke wie Facebook lenken uns von der Arbeit ab. dpa

Soziale Netzwerke wie Facebook lenken uns von der Arbeit ab.

Was eine Studie des Branchenverbands der Internetwirtschaft, des Eco, jüngst ergeben hat, ist Wasser auf die Mühlen der Netz-Kritiker: Soziale Netzwerke und E-Mail-Verkehr verursachen einen weltweiten Produktivitätsverlust von 500 Milliarden Euro.

Macht nichts, kann man entgegnen, dafür sind wir ja rund um die Uhr erreichbar und beantworten auch um 23 Uhr noch Mails. Wie viel Unternehmen durch solche unbezahlten Überstunden sparen, hat noch niemand berechnet. Unterm Strich ist das Ganze wahrscheinlich ein Nullsummenspiel.

Doch die Botschaft, die eigentlich in dieser Studie steckt, lautet: Wir verlernen es, uns zu konzentrieren. Ständig ploppt eine Mail auf, in der wir zur Sicherheit „cc“ gesetzt wurden. Auf die Mail wird – ebenfalls für den Fall der Fälle – Sekunden später „an alle“ geantwortet.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Der Facebook-Account wird regelmäßig gecheckt und gepflegt – und unsere Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer. Bestätigt wird das von Meldungen wie dieser: Die australischen Schwimmer haben nach dem schlechten Abschneiden bei den Olympischen Spielen ein Twitter-, Facebook- und Handyverbot auferlegt bekommen, weil die Sportler massiv abgelenkt waren.

Kritiker der Kritiker halten dagegen, dass Vorbehalte gegenüber Social Media und Always-on-Mentalität nichts anderes seien als das, was vor vielen Jahrzehnten die Angst vor dem Telefon war. Damals dachte man, dass Telefonieren jede persönliche Kommunikation zwischen Menschen zerstört.

Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, unsere digitalen Begleiter wirken sich auf unser Konzentrationsvermögen aus wie ein kleines Kind, das ständig „Guck ma! Guck ma! Guck ma!“ ruft, während man versucht, in Ruhe ein Buch zu lesen.

Es könnte auf jeden Fall nicht schaden, wenn Medienkompetenz nicht nur in der Schule, sondern auch in Unternehmen gelehrt würde: Ein Seminar, das als Mischung aus Benimmregeln, Verhaltenstraining, Entgiftungsprogramm und psychologischer Betreuung vermittelt, dass man nichts verpasst, wenn man für zwei bis drei Stunden die Finger von Rechner, Smartphone und Tablet lässt.

Man gewinnt dafür eine wertvolle Fähigkeit zurück: konzentriertes Arbeiten mit besseren Ergebnissen. Das wäre ... oh, Moment mal, ich bekomme gerade eine Mail rein, da muss ich mal schnell ... bin gleich wieder bei Ihnen ... so.

Wo war ich?

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (3)

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Merkur

25.04.2013, 10:49 Uhr

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. In unserer Firma ist die Möglichkeit "Antwort an alle" nicht mehr möglich. Dadurch muss ich bei jeder Antwort jeden weiteren Namen manuell eingeben; und da dieses zusätzliche Arbeit macht, überlegt - hoffentlich - jeder, ob er diese Person wirklich informieren muss, bevor er den Namen manuell einträgt - und er muss nachsehen, wer diese Mail überhaupt in Kopie erhalten hat.

Heidi

25.04.2013, 17:37 Uhr

Ich denke hier muß man auch zwischen *gesellschaftlicher Wahrnehmung* und *Realität* unterscheiden - wobei Erstere in nicht unerheblichem Umfang von wirtschaftlichen Interessen geprägt ist.
Daß Facebook und Konsorten nicht von sich aus "Hier Problem" schreien wenn das Nutzerverhalten ihnen ins Gesicht bläst versteht sich ja von selbst.
Und als Nutzer fällt einem eben auf daß sich die "üblichen Hauptverdächtigen" (Jugendliche) bereits auf FB ziemlich rar machen. Und auch die Älteren sollten sich mal selbst fragen wieviele der Meldungen ihrer Kontakte sie sich gar nicht mehr anzeigen lassen oder einfach auch nicht mehr ansehen. Hier und dort findet man auch schon Accounts die seit Jahr und Tag nicht mehr aktualisiert wurden.
Mein Eindruck ist daß FB längst zu einer "Schlechtwetterbeschäftigung" geworden ist. Man guckt da mal rein wenn man wirklich nichts Besseres zu tun hat... Statt Moorhuhnjagd...
Der Letzte von dem wir DAS erfahren werden ist natürlich Herr Zuckerberg... und der macht dann halt das Licht aus und freut sich über die Milliarden die ihm persönlich bleiben.

Tusnelda

25.04.2013, 18:50 Uhr

So'n Bledsinn! Schon mal Fernsehen geschaut? Alle 10-15 Minuten der nächste Werbeblock. Wir sind also schon längst dran gewöhnt nur noch in Scheibchen zu denken und bei der Werbung auf was anderes umzuschalten...

Und Produktivität, Anwesenheitspflicht und Bezahlung nach Zeit statt nach Ergebnis sind halt einfach diametral gegensätzliche Zielvorgaben. Um das Simpelste zu erkennen braucht man keinen Dummschwätz!

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