Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.10.2012

21:29 Uhr

Der Werber-Rat

Geiss und Katzenberger – Generation Proll

VonUli Mayer-Johanssen

Der Erfolg der Millionärsfamilie Geiss und der Superblondine Daniela Katzenberger läuten eine neue Ära von Promi-Werbung ein. Als langfristige Werbepartner sind sie jedoch nicht geeignet.

Daniela Katzenberger: lebendes Blondinenklischee. dapd

Daniela Katzenberger: lebendes Blondinenklischee.

Wer in den vergangenen Wochen TV-Werbung schaute, konnte ihm nicht entkommen, dem Schrei „Rooobert“ von Carmen Geiss. Zusammen mit ihrem Ehemann und den beiden Töchtern Davina Shakira und Shania Tyra bescheren die Kölner Selfmade-Millionäre nicht nur RTL 2 hohe Quoten, sondern stehen jetzt auch bei Müller Milch als Werbestars unter Vertrag.

Zwischen Proll und Pomp haben sich die Geissens ebenso gut eingerichtet wie andere Reality-Stars. Die Super-Blondine Daniela Katzenberger hat neben ihrer eigenen Sendung schon eine Platte aufgenommen und Werbeverträge für Marken wie „11800“ und „Perlweiss“. Man darf darauf gespannt sein, wann einer der Protagonisten der Vorabend-Serie „Berlin Tag & Nacht“ im Werbeblock auftaucht.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Gemeinsam ist diesen Trash-Ikonen, dass sie prominent wurden, indem sie ihren Alltag für die Öffentlichkeit inszenierten. Während die Geissens ihr Geld vorher mit Mode machten, wurde Katzenberger dank ihrer Schlagfertigkeit und selbstironischen Inszenierung als lebendes Blondinenklischee in der Auswanderersendung „Goodbye Deutschland“ berühmt. Sie selbst gibt in Interviews zu, keine besonderen Talente zu haben. Anders als andere Prominente sind diese Stars zum Anfassen.

Ihr Leben wirkt wie ein gefilmtes Tagebuch, zwar ein wenig geschönt und aufregender als der Alltag der Fans, aber dennoch authentisch und nicht so abgehoben wie das Leben echter, oft unnahbarer Promis. Damit stellen sie die perfekten Identifikationsfiguren dar.

Als Werbe-Ikonen sind die Trash-Stars allerdings nur bedingt tauglich. Müller Milch hat schon immer in der Werbung auf originelle Testimonials gesetzt, man erinnere sich zum Beispiel an Else Kling aus der Lindenstraße. Insofern passen die Geissens als Originale gut zu den Original-Produkten des Milchprodukteherstellers.

Daniela Katzenberger verleiht einem eher langweiligen Produkt wie „Perlweiss“ ein bisschen Glamour. Für den langfristigen Einsatz sind die neuen Reality-Stars jedoch nicht wirklich geeignet, denn ihr Leben wandelt sich schnell und mitunter auch auf unberechenbare Weise.

Das kann für eine Marke schnell zum Bumerang werden. Denn Werbebotschafter sind dann gut für die Marke, wenn sie die Identität der Marke transportieren und gleichzeitig für Identifikation bei der Zielgruppe sorgen. Somit muss sich ein Unternehmen schon ernsthaft fragen, ob Geiss und Co. wirklich „dää Burner“ als Werbegesichter sind.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Berliner

27.10.2012, 06:50 Uhr

Schon wenn ich die Namen lese oder höre, bekomme ich ein würgen im Hals, der Magen verkrampft sich und der Anus bekommt ein erhöhtes Druckgefühl.

Shut-up

27.10.2012, 08:33 Uhr

Trash, ja -Star nein.

Wie verblödet muss man sein, sich solche Sendungen ständig anzusehen / angesehen zu haben ? Mir scheint nicht nur das Wahlvolk ist dumm - dem steht das TV-Volk wohl in nichts nach.....
Und wenn Proll für Artikel Werbung macht, heißt das für mich, diese eben nicht zu kaufen - oder glauben Sie, ich will mit Prolls was gemein haben ?

Account gelöscht!

27.10.2012, 11:29 Uhr

Die " Katze " ist cool. Und sie scheißt doch auf die Meinung von andern Leuten - genau wie ich auch. Hauptsache die Kohle stimmt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×