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08.04.2013

09:43 Uhr

Der Werber-Rat

Geliebte Krise

VonBodo Hombach

Wenn irgendwo Bewegung entsteht, fürchten vor allem Deutsche Risiken und Nebenwirkungen. Untersuchungen orten den traurigen deutschen Gemütszustand weit unter der tatsächlichen Lage.

„Die Energiewende droht an den Ängstlichen zu scheitern“, schreibt Kolumnist Bodo Hombach. dpa

„Die Energiewende droht an den Ängstlichen zu scheitern“, schreibt Kolumnist Bodo Hombach.

Die kluge „Zeit“ titelte: „Wir haben schlechte Nachrichten: Es geht uns gut.“

Symptomatisch zeigt sich das an der Energiewende. Das Jahrtausendprojekt droht an den Ängstlichen zu scheitern, die um ihr Vorgärtchen fürchten. Denn irgendwo muss die Energie ja herkommen. Aber bitte schön nicht von hier, nicht aus meiner Nachbarschaft.

Das Phänomen ist hinlänglich beschrieben und doch interessant: Denn nachdem die Ökonomie die Ökologie entdeckt hat, wendet sich nun die Ökologie gegen die Ökonomie. Die wetterabhängige Energieerzeugung wird zum Steuergrab, sie gefährdet Produktionsstandorte und Arbeitsplätze, schafft aber auch welche – und sorgt für Nebeneinkommen von Selbstversorgern. Eine vernünftige Abwägung scheint unmöglich.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Warum nicht Dynamik, aber ökonomisch und ökologisch? „Intelligentes Wachstum“ fordert Ralf Fücks, Kopf der grünennahen Böll-Stiftung, im gerade erschienenen Buch. An Altmaiers Lieblingsschreckgespenst, das sogenannte Fracking, hat er vernünftige Fragen: „Ist es besser, Erdgas aus Sibirien zu importieren, das dort ohne große ökologische Skrupel gefördert wird, als es unter kontrollierten Bedingungen im eigenen Land zu fördern?“

Er ist sich sicher, dass weder unser Nachbar Polen noch Australien, China oder die USA auf deutsche Parteitagsbeschlüsse hören. Sie werden ihre heimische Energie nicht ungenutzt lassen. Wir stolzen Exporteure dagegen könnten durch umweltschonende Technologie und Chemie nützlich sein. Ohne Referenztechnologie im eigenen Land aber sind die Produkte unglaubwürdig. Ein relevanter Beitrag für das Weltklima wären deshalb Technologielieferungen, die durch verbesserte Wirkungsgrade das Klimagas CO2 drastisch reduzieren und die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Wo ist die Regierung, die einen „Green New Deal“ verkündet und das Land oder den Kontinent an die innovative Spitze bringt?

Das berühmte griechische Bibelwort „metanoite“ heißt nicht „Kehrt um und tut Buße!“, wie es uns die Apokalyptiker lustvoll predigen. Die korrekte Übersetzung ist: „Denkt größer!“ – über das Ziel und über eure Kraft. Dann nämlich werden nicht nur die Probleme sichtbar, sondern auch die Wege.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Kommentare (10)

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Wutkritiker

08.04.2013, 07:31 Uhr

Was weiß denn schon dieser Diplom-Sozialarbeiter und Soze über die Energiewirtschaft?! Nichts! Das sind die "Experten", die diese geschundene Republik braucht, und die immer wieder aus ihren gutdotierten Löchern hervorkriechen und Geschwurbel kundtun...

HofmannM

08.04.2013, 07:40 Uhr

Dieser Ralf Fücks sollte erstmal einige Jahre lang eine kaufmännische und technische Hochschule besuchen. Danach sollte er sich der Naturwissenschaft zu wenden. Wenn er dies erreicht hat, dann würde er zwangsläufig erkennen müssen, wie unsinnige eine Energiewende ist! Die Erneuerbaren Energien können nur auf Grund des staatlichen gesetzlichen Diktats eines Erneuerbaren Energie Gesetzes (EEG) am Scheinmarkt der Energien bestehen. Wir deutsche Bürger/Stromendverbraucher müssen für diese grüne Energieideologie käftig bluten. Dieser ökonomische und technische Schwachsinn einer Energiewende zwingt dem deutschen Bürger Mahrkosten auf das Auge! Diese Mehrkosten ziehen sich durch die ganze Lebenshaltung eines deutschen Bürger! Somit wird die Energiewende auf Grund des EEG-Zwangs zum WOHLSTANDSVERNICHTUNGS-GESETZ eines ganzen Volk!
Der Hr. Ralf Fücks will NICHT "DAS WOHL DES DEUTSCHEN VOLK", sondern desen UNTERGANG!

vandale

08.04.2013, 08:25 Uhr

Es hat in der Geschichte häufig Visionen gegeben die ein charismatischer Führer dann gegen die Fachleute durchgesetzt hat.

Deutschland ist sehr affin gegenüber Visionen und charismatischen Führern.

In einigen Fällen waren diese Visionen im Nachhinein ein grosser Erfolg, man denke an Apple, Samsung Electronics, die Marktwirtschaft und das Wirtschaftswunder in Deutschland nach dem WKII.

In den meisten Fällen haben solche Visionen jedoch in ein grosses Desaster geführt. Man denke an den WKII, zahlriche Unternehmen des Neuen Marktes.

Wenn die naturwissenenschaftlich/technischen Grundvorraussezungen wie bei der "Energiewende" sehr bewusst durch eine fiktive Kommunikation ersetzt werden, ist ein Desaster mit grosser Wascheinlichkeit zu erwarten.

Vandale

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