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05.08.2014

20:55 Uhr

Der Werber-Rat

Generation Frau

VonArmin Jochum

Mütter in Führungspositionen sind Multitasking-Meister. Sie schaffen es mühelos, zehn Teller gleichzeitig in der Luft zu halten und nebenbei noch ein Team zu führen. Die Männerwelt sollte sich warm anziehen.

Handy am Ohr, Hund an der Leine, Kind auf dem Arm: Frauen in Führungsposition müssen multitaskingfähig sein. AFP

Handy am Ohr, Hund an der Leine, Kind auf dem Arm: Frauen in Führungsposition müssen multitaskingfähig sein.

Eines Tages im vergangenen Jahr rief jemand an und fragte, ob wir interessiert wären an einer Geschichte über moderne Manager. Auf meine Frage, was denn darunter zu verstehen sei, wurde nach kurzem Aufsagen sehr stereotyper Begriffe eine sehr staubige Schublade geöffnet: „Na ja, so wie das heute halt geht: iPhone, Skype und Walking-around-Policy.“

Meine Frage war, ob es nicht interessanter wäre, Mütter in Führungspositionen zu porträtieren, die mal zeigen, wie sie es schaffen, zehn Teller gleichzeitig in der Luft zu halten, ein großes Team zu führen und ganz lässig den ganzen Wahnsinn zu organisieren. Ich habe danach nichts mehr gehört.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

In dem Artikel sah ich dann Alphatiere, die ihrem Team, mal als kuscheliger Erklärbär, mal als smarter Kapitän, klare Anweisungen geben und erzählen, wie anstrengend das alles sei – die Last der Verantwortung und so weiter.

Mittags hatte ich dann einen Termin mit Marny, Kundenberaterin auf einem unserer großen Etats. Anlass: eine euphorische E-Mail des Kunden, wie gut die Geschäfte laufen würden und welches Gespür die Kollegin an den Tag lege, große Herausforderungen scheinbar mühelos zu meistern.

Marny steht hier stellvertretend für viele Frauen, die über manche Problemorientierung ihrer männlichen Kollegen nur müde lächeln können. Sie hegen auch nicht die gleichen Revieransprüche. „Hier ist mein Büro“ oder die sehr deutsche, an Hotelstränden verprobte Tugend, Bürostühle mit Jacken zu reservieren (auch um Präsenz zu zeigen), scheint für weibliche Führungskräfte nicht wirklich von Belang.

Im Zoo der Alphatiere tut sich gerade eine ganze Menge. Der Top-Branchen-Nachwuchs interessiert sich nicht mehr für die in den 80er-Jahren etablierten Insignien der Macht — die Leute wollen lieber mehr Freiheit. Heute führt, wer kluge Fragen stellt. Und manchmal auch sich selbst infrage stellt. „Braucht es mich wirklich? Könnten wir die Position nicht anders besetzen?“ Fragen, die sich Männer eher selten stellen. Die Zukunft ist weiblich. Quoten wird es keine brauchen — der Erfolg ist der Motor der neuen Generation Frau. Männer, zieht Euch warm an. Ich fürchte, ein Flanellanzug wird nicht reichen.

Der Autor:
Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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