Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.12.2015

21:44 Uhr

Der Werber-Rat

Haltung kommt nicht aus der Mode

VonArmin Jochum

Es sind die außergewöhnlichen Menschen, die den Tag über das Alltägliche heben. Und aus Marken Weltmarken mit großer Anziehungskraft machen. Dies ist alles, nur nicht selbstverständlich – vor allem in der Modebranche.

Das Star-Designer gilt in der Modewelt als lebende Legende. Doch die Modebranche steckt in einem gewaltigen Veränderungsprozess. AFP

Karl Lagerfeld

Das Star-Designer gilt in der Modewelt als lebende Legende. Doch die Modebranche steckt in einem gewaltigen Veränderungsprozess.

Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." Man kann über Karl Lagerfelds Sprüche denken, was man will. Umzingelt von einer volatilen, von Selbstdarstellung zehrenden Branche ist er der Monolith - Karl der Große hat sich und seine Marken im Griff.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Neulich erfuhr ich, dass dies alles, nur nicht selbstverständlich ist: Die Modebranche stecke nämlich in einem gewaltigen Veränderungsprozess mit ungewissem Ausgang. Auslöser für diese besonders unfrohe Botschaft war die überraschende Abberufung von Alber Elbaz, dem legendären Chefdesigner des Modehauses Lanvin.

Elbaz trägt nicht nur die größten Fliegen der Welt, er versteht es auch, Frauen die schönsten und schmeichelhaftesten Komplimente aus Stoff zu machen. Nun wurde er von der Mehrheitseignerin Shaw-Lan Wang gebeten, schnurstracks seinen Schreibtisch zu räumen. Auch das Haus Dior hatte keine guten Neuigkeiten: Der Shootingstar Raf Simons verlässt das Unternehmen.

Ursache für diese beunruhigenden Nachrichten ist eine beunruhigende Entwicklung. Galt es früher noch, die Marke mit einer Handschrift zu prägen, geht es heute um ein neues Geschäftsmodell: Schneller, vielseitiger, globaler muss alles funktionieren - selbst der schöpferische Prozess scheint heute automatisierter zu sein.

"Aber nicht alles, was auf dem Bildschirm toll aussieht, sieht auch in Wirklichkeit gut aus", soll der sympathische Fliegenmann auf die alte Frage, ob Computer irgendwann die Designer ersetzen, geantwortet haben.

Unabhängig von Technologie: Es sind die außergewöhnlichen Menschen, die den Tag über das Alltägliche heben. Und aus Marken Weltmarken mit großer Anziehungskraft machen. Beruhigend: Haltung bleibt immer en vogue - auch 2016 wieder. Wenn’s sein muss, auch in Jogginghosen.

Der Autor: Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×