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09.12.2015

21:16 Uhr

Der Werber-Rat

Herr Litfaß und seine Erben

VonTorben Bo Hansen

Menschen reagieren evolutionsbiologisch bedingt auf Bewegungen. Früher sollten so Gefahren früh erkannt werden, heute ist dieser Trieb ein gefundenes Fressen für Werbetreibende. Das hilft nun auch der alten Litfaßsäule.

Menschen reagieren auf Bewegungen. Was Werbetreibende mit dieser wertvollen Aufmerksamkeit machen, muss sich erst noch zeigen. dpa

Litfaßsäule wird 150 Jahre alt

Menschen reagieren auf Bewegungen. Was Werbetreibende mit dieser wertvollen Aufmerksamkeit machen, muss sich erst noch zeigen.

Ernst Litfaß würde sich freuen. 160 Jahre nachdem er die Säulen geschaffen hat, die Plakatanschlägen mehr Qualität und Aufmerksamkeit verleihen, lernen die Bilder auf diesem Medium am Straßenrand jetzt laufen. „DooH“ - Digital out of Home - nennt sich die Gattung der digital bespielbaren Plakatflächen. Und dass darauf Animationen oder kleine tonlose Filme laufen, ist etwa in Bahnhöfen nicht mehr ganz neu. Aber dass auch ihre „Kollegen“, die City-Light-Poster der Innenstädte, jetzt HD-Bildschirme sind, ist noch ganz frisch.

Spannend ist die Entwicklung, weil wir Menschen evolutionsbiologisch bedingt immer auf Bewegung reagieren. Da einst ein Säbelzahntiger Ursache für Bewegung im Geäst sein konnte, ist unser Gehirn fest programmiert, eine Orientierungsreaktion auszulösen: Wir werden aufmerksam und gucken kurz hin.

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Was Werbetreibende mit dieser wertvollen Aufmerksamkeit machen, muss sich erst noch zeigen. Die ersten tasten sich langsam vor: Zigaretten, die sich dezent aus der Packung schieben, Tablet-Computer, die sich um ihre eigene Achse drehen, oder ob es blinkt und glitzert - die ganze Bandbreite ist vertreten. Ganz wie in den Anfangszeiten der Onlinebanner.

Zwei Aspekte scheinen mir dabei noch nicht bei allen auf dem Schirm zu sein: Plakat hat mit Plakativität zu tun. Die sollte man nicht verlieren, nur weil jetzt auch Bewegung möglich ist. Und der Kontext eines Plakats - Standort, Wetter oder Uhrzeit - ist auf einmal etwas, das man aktiv für die Botschaft verwenden kann.

Was Adidas schon bei der WM - mit eigenem Bewegtbildmaterial und Ergebnissen nahezu in Echtzeit - auf Info-Screens in U-Bahnhöfen zelebrierte, wartet noch auf sein cleveres Pendant am Straßenrand. Wir sind alle aufgefordert, die Chance zu nutzen - damit Herr Litfaß sich nicht doch noch im Grabe umdreht.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

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