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01.09.2014

09:01 Uhr

Der Werber-Rat

Höchste Präzision

VonMarianne Heiß

Der Sommer neigt sich dem Ende zu – und damit leider auch die vielen Musikfestivals wie etwa die Festspiele in Bayreuth, Salzburg oder Mecklenburg-Vorpommern.

Die Geigen werden wieder eingepackt: Mit dem zu Ende gehenden Sommer, enden in diesem Jahr auch die Klassik-Events. Reuters

Die Geigen werden wieder eingepackt: Mit dem zu Ende gehenden Sommer, enden in diesem Jahr auch die Klassik-Events.

Mich hat in dieser Saison das Grafenegg Musik Festival begeistert. Zwischen Wien und Krems gelegen, mit einem der bedeutendsten österreichischen Schlösser des romantischen Historismus, umgeben von einer zauberhaften Parklandschaft, hat sich der kleine Ort Grafenegg mit seinen Sommerkonzerten zu einem internationalen kulturellen Hotspot entwickelt, zu einer strahlenden Marke bei den Klassik-Events.

Besonders eindrucksvoll war das Konzert des Seoul Philharmonic Orchestra mit seinem Chefdirigenten Myung-Whun Chung. Es sei an dieser Stelle eine kurze Musikkritik gestattet: Das Ensemble hat mich sehr berührt, mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-moll op 37 und Tschaikowskis Sinfonie „Pathétique“. Solist Sunwook Kim, der Klavier-Superstar, konnte bei seinem Auftritt das gesamte Publikum in Grafenegg faszinieren. Die Luft stand gleichsam still.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Nachdem das Konzert verklungen war, faszinierte mich noch etwas anderes – vielleicht, weil ich Ökonomin bin. Das Seoul Philharmonic Orchestra spielte in höchster Präzision und versinnbildlicht, finde ich, so auch die imposante Wirtschaftsleistung Südkoreas. Mit Mut, Begeisterung und Leidenschaft werden in diesem Land in vielen Bereichen Innovationen umgesetzt.

Myung-Whun hat das Orchester beharrlich umgebaut und es so zu Weltruhm geführt. Südkorea wiederum zählt heute trotz schlechter Startbedingungen zu den stärksten und wichtigsten Industrienationen der Welt – mit global erfolgreichen Produkten und Marken, etwa im Technologiesektor und in der Autoindustrie.

Wir in Westeuropa können von den Südkoreanern lernen, weil sie zeigen, wie die vielfältigen Skills Innovation, Kreativität und Flexibilität, verbunden mit großer Präzision, eine Einheit bilden. Außerdem können wir lernen, dass die Bereitschaft zum Wandel Teil ihrer Kultur ist. Und dass es diese Fähigkeiten braucht, um sich in der globalen Welt behaupten zu können, oder besser: um dauerhaft erfolgreich zu sein.

Umso besser, wenn Vielfalt und Einheit dann so brillant ineinander fließen und harmonieren wie beim Dirigenten Myung-Whun Chung, beim Orchester und beim Solisten Sunwook Kim.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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Herr Carsten Härtl

01.09.2014, 17:59 Uhr

Bemerkenswert, wie Frau Heiss von der Musik zur Wirtschaft kommt! In Deutschland glauben viele noch angesichts des "unheimlichen Aufstiegs" Südkoreas, dort würde nur sinnlos gepaukt, geschufftet und (illegal) kopiert. Selbst Journalisten geraten zuweilen in diese Stereotyp-Falle. Frau Heiß klärt uns nun zurecht auf, dass innovative Wirtschaft und kreative Kunst Hand in Hand gehen. Dort werden eben nicht nur (pro Kopf) die meisten Patente angemeldet, sondern auch wie nirgendwo sonst auf der Welt komponiert, dirgiert, interpretiert, gedichtet, gemalt, gefilmt usw.

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