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14.05.2014

22:18 Uhr

Der Werber-Rat

Im Paralleluniversum

VonTorben Bo Hansen

Beim Eurovision Song Contest wurde es wieder einmal deutlich: Events finden nicht nur auf dem Bildschirm statt, sondern auch in sozialen Netzwerken wie Twitter. Das Phänomen Second Screen ist allerdings noch unerforscht.

Conchita Wurst gewann den 59. Eurovision Song Contest in Kopenhagen. Während die Zuschauer vor dem Fernseher das Geschehen verfolgen, sind sie gleichzeitig in den sozialen Netzwerken aktiv unterwegs – so auch beim ESC. Reuters

Conchita Wurst gewann den 59. Eurovision Song Contest in Kopenhagen. Während die Zuschauer vor dem Fernseher das Geschehen verfolgen, sind sie gleichzeitig in den sozialen Netzwerken aktiv unterwegs – so auch beim ESC.

Als ich am Samstag mit meiner Frau auf dem Sofa saß und #ESC2014 guckte, klickte ich mich die meiste Zeit mit dem Smartphone durch Twitter. #ESC2014 ist kein Computerbefehl, sondern der Hashtag des Eurovision Song Contests - des Chanson-Wettbewerbs, den zu Zeiten des Kalten Krieges Nicole mit ihrer weißen XXL-Gitarre und vor ein paar Jahren Lena Meyer-Landrut mit ihrem eigenwilligen Englisch jeweils für sich entscheiden konnten.

Das wäre nicht wirklich erwähnenswert, wenn nicht die schiere Masse an Tweets mit Hashtags wie #glamprixparty oder #joinUS den Schluss nahegelegt hätte, dass ich dabei in guter Gesellschaft war. Hashtags sind übrigens nicht die kleinen Cannabis-Kekse, sondern eine Art Etiketten, die das Sortieren von Themen in sozialen Medien erleichtern sollen. Sie fangen mit dem #-Zeichen an, dessen Existenz bis vor wenigen Jahren nur einer Handvoll von Numerik-Forschern wirklich bekannt war.

Ebenso unerforschtes Terrain scheint für die linearen Fernsehsender und Programmmacher das Phänomen Second Screen - also eine Parallelverwendung von Tablet, Smartphone oder Laptop zum Fernsehen - zu sein. Sporadisch werden Zuschauer aufgefordert, mit einem vorgegebenen Kürzel zu tweeten. Ihre Tweets würden dann vielleicht über ein Laufband in die Sendung eingeblendet. Oder von den Moderatoren auszugsweise vorgelesen. Da merkt man der Moderation an, dass Twitter durchaus beachtet wird: So mancher Witz wurde aus den Kommentaren gefiltert und mehr oder weniger lustig verwurstet.

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Wer die Mediennutzung nicht nur aus Tabellen abliest und zu interpretieren versucht, merkt, dass der Wandel auf Nutzerseite viel weiter ist als bei den Medien oder Werbetreibenden. Aus meiner Timeline wurde deutlich, dass ich eher Regel als Ausnahme war, wenn ich mehr vom ESC auf dem zweiten Schirm mitbekam als auf dem ersten. Und meine Frau ließ sich die besten Kommentare vorlesen, während sie die Sangeskünste unmittelbar genoss. Mixen ist das neue Gucken - auch im Mainstream. Stellen Sie sich lieber schnell darauf ein.

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Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

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