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28.07.2014

22:11 Uhr

Der Werber-Rat

Im Zeichen der Marille

VonMarianne Heiß

Die Discounter werden immer wertiger. So hat Aldi kürzlich an der Düsseldorfer Kö eine Filiale eröffnet. Die großen, klassischen Filialisten bewegen sich umgekehrt in Richtung unprofilierter Mitte.

Letzter Schliff am neuen Standort: Aldi hat seine Filiale auf der Düsseldorfer Prachtmeile Königsallee eröffnet. dpa

Letzter Schliff am neuen Standort: Aldi hat seine Filiale auf der Düsseldorfer Prachtmeile Königsallee eröffnet.

Eigentlich ist es an der Zeit, Werbung zu machen in der Werber-Rat-Kolumne. Natürlich nicht für die tollen, kreativen, überraschenden Kampagnen aus der eigenen Agenturgruppe.

Wer sich aber bereits an einem Anflug von Eigenwerbung stößt, den bitte ich nun um etwas Nachsicht. Ich möchte, als Österreicherin, heute Werbung machen für die schöne Wachau. Und für den Juli. Genau genommen für die Kombination. Weil dieser Gleichklang aus Ort und Zeit eine ganz besondere Marke schafft, die überall in der Region zwischen Krems an der Donau und Melk an kleinen Bäumen heranwächst: dunkelgelb, süß und saftig. Die Wachauer Marille, die gerade geerntet wird und über die Grenzen meines Heimatlandes bekannt ist.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Die Wachauer Marille ist, wie der Schinken aus Parma oder der Lebkuchen aus Nürnberg, nicht nur köstlich, sondern auch als Marke geschützt. Weil es, neben der Qualität, vor allem die Herkunft ist, die aus der Steinfrucht ein besonderes, unverwechselbares Produkt macht.

Derzeit sind die Wachauer Marillen auch in vielen deutschen Supermärkten zu finden. Das ist natürlich einerseits schön. Aber andererseits fällt mir dabei eine eigentümliche Diskrepanz auf. Weil der Lebensmitteleinzelhandel, der doch all die starken Marken zu den Konsumenten bringt, ausgerechnet seine eigene Markenkraft zunehmend einbüßt.

Die Discounter werden immer schicker und wertiger, so hat Aldi kürzlich an der Düsseldorfer Kö eine Filiale eröffnet. Und die großen, klassischen Filialisten bewegen sich umgekehrt in Richtung unprofilierter Mitte. Die Kunden sind verwirrt: Sie wissen nicht mehr, wofür die Handelsmarken stehen und warum sie dort und nicht woanders einkaufen sollen. Zu diesem Ergebnis ist die Unternehmensberatung Batten Company in einer umfassenden Verbraucherumfrage gekommen.

Das Einkaufserlebnis wird also immer uniformer und langweiliger. Ein erneuter Blick nach Österreich zeigt, dass es auch anders geht: Supermärkte der Billa-Kette etwa punkten mit moderner Architektur, eröffnen Flagship-Stores in prominenter Lage oder richten sich wie Spar Gourmet als Feinkost-Märkte aus. So bleibt allein schon der Griff nach den Wachauer Marillen ein sinnliches Erlebnis.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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