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23.03.2016

20:41 Uhr

Der Werber-Rat

In (fast) allem steckt eine Story

VonTorben Bo Hansen

Ein Isländer wandelt zur Vermarktung seiner Fluggesellschaft auf den Spuren Michael O'Learys, berühmt berüchtigter Chef des Billigfliegers Ryan Air. Manchmal geht es eben nur darum, wer die beste Story (er)findet.

Der Ire und Chef des Billigfliegers Ryanair, ist Meister des Marketing-Stunts. AFP; Files; Francois Guillot

Michael O'Leary

Der Ire und Chef des Billigfliegers Ryanair, ist Meister des Marketing-Stunts.

Welches Luftfahrzeugkennzeichen trug Ihr letzter Flug? Sie wissen es nicht? Na, dann wird‘s Zeit, dass Sie darauf achten. Jedenfalls denkt das anscheinend Skúli Mogensen, CEO des isländischen Billigfliegers WOW air. Mit viel Getöse wurde nämlich gerade sein neuester Traum in Fuchsia — ein Airbus A330 — mit der Kennung TF-GAY vorgestellt. Er ist der sechste in der Reihe nach TF-MOM, TF-DAD, TF-BRO, TF-SIS und TF-KID.

WOW air sei „eine Fluggesellschaft für die Menschen“, soll er dabei gesagt haben. Das musste er möglicherweise, weil man bei „Isländern“ sonst zuerst an die kurzbeinigen Pferde mit der besonderen Gangart Tölt denken würde. Man wolle „mit günstigen Tarifen allen ermöglichen, die Welt zu bereisen und Kulturen kennen zu lernen“. Dabei stünde man hinter den Homosexuellen und würde Gleichberechtigung für alle Menschen fordern.

Ein Schelm wer denkt, es gäbe einen Zusammenhang zwischen der Namensgebung und der Route, auf der TF-GAY fliegen wird: Zwischen Reykjavik und San Francisco, der Hauptstadt der Gay-Bewegung. Die PR in der Region ist ihm sicher.

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

In kaum einem anderen Markt spielen Marketing-Stunts und -Gags eine so tragende Rolle, wie bei den Low-Cost-Carriern. Michael O‘Leary von Ryanair hat das perfektioniert. Er erwog dazu schon mal, seine Kunden für den Toilettengang bezahlen zu lassen oder ihnen Stehplätze zu offerieren. So liefert man — quasi zu Low-Cost und nah am eigenen Produkt — Geschichten für die Facebook-Timelines oder Snapchat-Stories der künftigen Kunden.

An sich kann das jeder. Schwer vorstellbar die Branche, in der sich keine Geschichte (er)finden ließe. Je nach Zielgruppe und Seriositätsbedarf muss man sich dabei ja nicht gleich der heißesten Gangart bedienen — wer sich nicht sofort den Galopp zutraut, kann es auch im Tölt ausprobieren.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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