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05.02.2014

20:49 Uhr

Der Werber-Rat

In knallengen Hosen rumgockeln

VonStefan Kolle

Markenführung à la Rolling Stones: Was sich Marketing-Fachleute von der größten Rockband der Welt abgucken können? Eigentlich alles. Ein kleines Lehrstück in perfekter Markenführung.

Mick Jagger (l. und Keith Richards von den Rolling Stones sind sich und ihrem Image treu geblieben. ap

Mick Jagger (l. und Keith Richards von den Rolling Stones sind sich und ihrem Image treu geblieben.

Mick Jagger und Keith Richards sind mittlerweile 70. Ihr Leben und Werk ist ein Lehrstück perfekter Markenführung, an dem man sich ein Beispiel nehmen sollte.

Erstens: Verwässern Sie den Markenkern nicht. Die Stones machen seit 1963 nur Rock’n’Roll. Sie haben in den 70ern nicht versucht, Kraut- oder Bombastrock zu machen, und in den 80ern den Synthesizern widerstanden. Nehmen Sie sich ein Beispiel daran. Definieren Sie einmal, wofür ihre Marke steht, und entwickeln Sie Ihre Produkte aus diesem Markenkern. Im Fall der Stones bedeutet das: Platten mit Rockmusik und Konzerte mit Größenwahn.

Zweitens: Bleiben Sie authentisch. Jagger macht auch nach 50 Jahren das, was er immer gemacht hat: in knallengen Hosen auf der Bühne rumgockeln. Charlie Watts sitzt stoisch wie eh und je hinterm Schlagzeug, und Keith Richards - ach, muss man noch über ihn schreiben? In der Welt der Marken haben nur wenige Rolling-Stones-Qualität. Marlboro vielleicht. Oder Johnny Walker. Vielleicht Nutella und Persil - auch wenn der Rock’n’Roll-Faktor hier gegen null tendiert.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Drittens: keine Experimente. Versuchen Sie niemals, Ihre Marke zu etwas zu machen, was sie nicht ist. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Keith Richards. Der hat in seinen jungen Jahren zwar viel mit Drogen experimentiert. Seit Jahrzehnten aber schon bleibt er einfach, wie er ist: der Mann, der in Bad Segeberg als Squaw durchgehen würde. Ein gelifteter Keith Richards? Der Anfang vom Ende der Rolling Stones!

Viertens: künstliche Verknappung. Mit schöner Regelmäßigkeit kündigen die Stones ihre Abschiedstour an. Mittlerweile haben sie beim Abschiedstouren manchen Fan der ersten Stunde überlebt. So treiben sie nach und nach all jene in die Stadien, die sich spätestens bei der „Jetzt-aber-wirklich-allerletzten-Tour“ sagen: Na gut, einmal will ich die Stones gesehen haben.

Fünftens: keine Marktforschung. Sollte ein Mittsechziger in Leggings herumlaufen und ein verknitterter Ex-Drogenbaron in aller Öffentlichkeit bei der Arbeit rauchen? Ein klares Nein aus jeder Fokusgruppe. Hätten sich die Rolling Stones Marktforschungspanels unterzogen, wären sie längst weg vom Fenster. Oder alternativ zu Cliff Richard mutiert.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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