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01.08.2012

07:00 Uhr

Der Werber-Rat

Jain ist das personifizierte Markenversprechen

VonFrank Dopheide

Die Wahl Anshu Jains in die Doppelspitze der Deutschen Bank war ein strategischer Geniestreich, denn er könnte zum Markenzeichen der Bank werden: jung, attraktiv, international. Doch Jain ist auch nur ein Mensch.

Co-Chef der Deutschen Bank: Anshu Jain. dpa

Co-Chef der Deutschen Bank: Anshu Jain.

Ich beherrsche meinen Job aus dem Effeff, verfüge über große Lebenserfahrung, war lange im Vorstand - aber darauf war ich nicht vorbereitet." So beschrieb einer meiner Mandanten seine Berufung auf die Position an die Unternehmensspitze. Anshu Jain, der Co-Chef der Deutschen Bank, ist sein Leidensgenosse.

Im Ringen um die Nachfolge von Josef Ackermann hatte sich die Deutsche Bank auf Anshu Jain und Jürgen Fitschen geeinigt. Aus Markensicht eine gute Entscheidung: Während der deutsche Kandidat leicht zu schlucken war, kaute die Medien- und Bankenwelt lustvoll an der Wahl des indischen Investmentbankers herum. Zu Unrecht. Denn Jain gilt als Meister seines Fachs, kennt sein Unternehmen in- und auswendig und genießt großes Vertrauen. Er ist das personifizierte Markenversprechen "Leistung aus Leidenschaft" - und vermittelt auf den ersten Blick ein neues Bild der Bank: jünger, attraktiver, internationaler. Ein wirkungsvolles Signal in die Märkte der Zukunft. Jain ist anders, unterscheidbar und zuordenbar, ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um Wahrnehmung und kommunikative Kraft. Jürgen Fitschen wirkt parallel als beruhigender Faktor für die irritierte deutsche Seele.

Seit Juni stehen die beiden nun an der Spitze, aber schon vor Amtsantritt wurden ihre Pläne seziert und kritisiert. Dabei wird Jain - als Vertreter der dunklen Seite der Finanzmacht - bei jeder Gelegenheit in Sippenhaft genommen. Der Libor-Skandal wird zum medialen Hochofen. Jain soll schwitzen. Fünf Hierarchiestufen unter Jain, so der Stand der Dinge, haben zwei Mitarbeiter an den Zinsabsprachen mitgewirkt. Jain war nicht beteiligt. Aber das öffentliche Grillen hält an und die Zeiten werden härter. Der Personalabbau von 1 000 Mitarbeitern ist gerade verkündet, da schickt die Gewinnwarnung den Kurs auf Talfahrt. Es ist unübersehbar, dass die ersten sechs Wochen dem Co-Chef unter die Haut gehen. Ein gutes, menschliches Zeichen. Anshu Jain hat alle Voraussetzungen zum Markenartikel seines Unternehmens zu werden. Wir sollten ihm ein paar Tage Zeit und Luft zum Atmen geben. Stabilität ist der Anfang von allem. Die Deutsche Bank ist eine Ikone unserer Markenwelt. Je stabiler sie steht, desto besser. Die spanische Alternative ist wenig reizvoll.

Vor Jahren kam Anshu Jain nach Frankfurt und stellte sich zweitausend skeptischen Führungskräften mit den Worten vor: "My name is Anshu Jain. I am an investment banker and, what nobody knows, a human." Wir hoffen, dass er nicht zu abgebrüht aus dem Ofen kommt.

Kommentare (7)

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Frost

01.08.2012, 08:01 Uhr

Dieser Beitrag ist wohl ein kleiner Verpsrecher!

Denn diese "Strategische Aktion" war wohl das Dümmste,
was die Deutsche Bank machen konnte.

Und wer dies nicht glaubt, sollte Jain mal in die Augen
schauen.
Wem da auch nicht bei 80% Außentemperatur fröstelt!!

Denke, aber Jain wußte dies, hätte er sonst betonen
müssen, dass er "ein Mensch" ist?

sons_of_liberty

01.08.2012, 08:11 Uhr

Warum wird nicht näher auf seine Arbeit während der "Finanzkrise" eingegangen?

Sorry, hab die Werbung der Deutschen Bank erst später gesehen ;)

Oelblase

01.08.2012, 08:20 Uhr

"jung, attraktiv, international"

leider fehlt noch ein Adjektiv

"kriminell"

Siehe § 100a StPO - da trifft aber einiges auf Jain zu.
Nur unsere Justiz beschäftigt sich lieber mit Hartz-IV Empfängern und Ehrenmördern.



§ 374
Steuerhehlerei
(1) Wer Erzeugnisse oder Waren, hinsichtlich deren Verbrauchsteuern oder Einfuhr- und Ausfuhrabgaben im Sinne des Artikels 4 Nr. 10 und 11 des Zollkodexes hinterzogen oder Bannbruch nach § 372 Abs. 2, § 373 begangen worden ist, ankauft oder sonst sich oder einem Dritten verschafft, sie absetzt oder abzusetzen hilft, um sich oder einen Dritten zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Handelt der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Straftaten nach Absatz 1 verbunden hat, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.

gemäß § 100a StPO liegt bei Steuerhehlerei im Falle des § 374 Abs. 2 eine schwerstkriminelle Tathandlung vor - und war da nicht irgendwas mit Kayman-Inseln und Umsatzsteuerkarussellen.

Interne Untersuchungen der Deutschen Bank haben aber ergeben, dass der Vorstand davon nichts gewusst hat - schließlich lebt er auf dem Mond!

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