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11.12.2014

20:15 Uhr

Der Werber-Rat

Jetzt sprechts Deutsch, Herrgottsakrament!

VonBritta Poetzsch

Mit ihrer Forderung, dass hier lebende Ausländer in der Öffentlichkeit und zu Hause Deutsch sprechen sollen, hat die CSU mal wieder einen kommunikativen Coup gelandet – und damit den Parteitag ins Gespräch gebracht.

In der Kritik: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bleibt dabei, dass Ausländer zuhause deutsch sprechen sollen. dpa

In der Kritik: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bleibt dabei, dass Ausländer zuhause deutsch sprechen sollen.

Auch, die CSU. Die machen doch kommunikativ gerade mal wieder alles richtig. Da wird gefordert, dass bitteschön alle Ausländer, die dauerhaft hier leben, Deutsch zu sprechen haben. In der Öffentlichkeit sowieso. Aber jetzt kommt das Tollste: auch auf dem heimischen Sofa, am Esstisch oder möglichst auch noch zwischen den Laken.

Leiden die am ausgeprägten Realitätsverlust? War was Komisches im Kantinenessen in der CSU-Zentrale? Ist der Konsum von Weißwurst und Bier auf die Dauer schlecht fürs Denkvermögen? Warum machen die so was? Was man bei diesem bayerischen Possenspiel nicht vergessen darf: Es geht nicht um den Inhalt. Es geht um Aufmerksamkeit. Sonst nichts.

In meiner Vorstellung freuen sich Horst Seehofer und seine Parteikollegen gerade diebisch und lachen sich in den Schlaf, weil ihnen mal wieder ein echter kommunikativer Coup gelungen ist. Viel besser als die tofulastige Idee der Grünen, den Menschen einen Veggie-Day nahezulegen. Das war auch nicht schlecht, aber hatte nicht ganz das populistische Niveau der nach oben hin offenen Wirtshaus- und Stammtischskala der aktuellen Diskussion.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

An nichts kann der Mensch sich so abarbeiten wie an Verboten. Ab sofort soll es also verboten sein, seine eigene Muttersprache in Deutschland zu sprechen. Wie wollen die das eigentlich kontrollieren? Wird es eine Sprachpolizei geben, die an der Haustür klingelt, sich mit an den Abendbrottisch setzt und die Bewohner belauscht. Stellen die dann Strafzettel aus? Warum dann nicht auch gleich den ausländischen Mitbürgern vorschreiben, statt ihrer Essgewohnheiten bitte ein richtig deutsches Abendbrot zu servieren? Teewurst und Salzgurken statt Kebab und Baklava. Oder am besten Obatzda und Radi! Wobei sich die Frage stellt, ob Bayerisch auch Deutsch ist. Oder setzen die Drohnen ein, die in Kreuzberg oder Wilhelmsburg die Straßenzüge abfliegen und Alarm schlagen, wenn nicht Deutsch gesprochen wird? Und dann? Wird man dann des Landes verwiesen?

Mit anderen Worten, diese Idee ist von vorn bis hinten so schräg, als hätte sie sich ein bekanntes Satiremagazin ausgedacht. Aber sie hat einen langweiligen Parteitag ins Gespräch gebracht, und alle Medien spielen mit. Danke, wieder was gelernt, Herr Seehofer.

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Head of Lifestyle der Agenturgruppe Serviceplan. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (2)

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Herr Phillip Schneider

12.12.2014, 08:41 Uhr

Bla bla
Ich unterstütze die Forderung, dass Ausländer in der Öffentlichkeit Deutsch sprechen sollen zu 100%. Bald muss man hier 10 Sprachen beherrschen um sich anständig verständigen zu können. Zu Hause sollen sie machen was sie wollen.

Herr Peter Insam

12.12.2014, 12:47 Uhr

Der Titel sagt alles: "Head of Lifestyle"
Und das ist dann deutsch, oder? Ein Blick in die Glotze zeigt, dass wir selbst nicht einmal mehr einen vernünftigen Satz ohne dämliche Anglizismen hinbekommen. Der Verbalmüll ist nicht auszuhalten. Wenn schon Deutsch-Pflicht, dann bitte für alle.

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