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05.11.2013

19:51 Uhr

Der Werber-Rat

Joystick der Macht

VonFrank Dopheide

Mit dem Fortschritt der Technik verändert sich auch die Art, wie wir miteinander kommunizieren. Das bringt viele Vorteile mit sich, birgt aber auch einige Gefahren – insbesondere für Führungskräfte.

Pro Sekunde starten 3,7 Millionen Mails in alle Welt. Zwischenmenschliches und Verbindendes bleiben dabei oft auf der Strecke. dpa

Pro Sekunde starten 3,7 Millionen Mails in alle Welt. Zwischenmenschliches und Verbindendes bleiben dabei oft auf der Strecke.

Die mächtigste Frau im Staate dirigiert ihre Truppen per Knopfdruck. Statt mit Zuckerbrot und Peitsche regiert ein Topmanager heute mit SMS und E-Mail. Das ist nicht nur aus Aspekten der Sicherheit, sondern auch der Kommunikation bedenklich. Die Technik verändert die Art, wie wir miteinander reden. Der Schaden, den der Chef dabei anrichten kann, ist groß. Bekanntlich ist Führung zu neunzig Prozent ein Kommunikationsjob.

Seit der Steinzeit machen wir als Homo Sapiens einen großen Unterschied zwischen dem, was wir sagen und dem, was wir in Stein meißeln. Das Gespräch fungiert dabei als emotionaler Klebstoff einer Gemeinschaft – ohne dass jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Doch weil das gesprochene Wort über die Fähigkeit verfügt, sich in Schall und Rauch aufzulösen, haben wir gelernt, das Bedeutsame niederzuschreiben: schwarz auf weiß – auf die Felswand oder ins Tagebuch. Seit Menschengedenken gibt das Schriftliche dem Wort mehr Gewicht.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Dank digitaler Technologie wird das Niederschreiben so leicht wie Ausplaudern. Pro Sekunde starten 3,7 Millionen Mails in alle Welt. Der Chef hat den direkten Draht und alle Fäden in der Hand. Leadership by Klicks per Minute: Zweihundert Mails klingeln täglich auf dem Smartphone. Mit einer Minute Öffnen, Lesen, Antworten frisst die E-Mail vier Stunden Arbeitszeit.

Die Nachrichten aus dem Topmanagement werden immer kürzer. Aus Effizienz wird auf die Anrede und das persönliche Wort verzichtet, der Satz verkommt zum Kürzel: HGW (Herzlichen Glückwunsch). Zwischenmenschliches und Verbindendes bleiben auf der Strecke.

In den Augen der Mitarbeiter bleibt die E-Mail eine Form in Stein gemeißelter Anweisung. Das verleiht ihr mehr Gewicht, als es dem Arbeitsalltag guttut. Was im persönlichen Gespräch mit einem Augenzwinkern eingeordnet wird, bleibt als Kurznachricht unkodierbar. Die Unsicherheit aufseiten der Empfänger wächst.

Die digitale Kommunikation erfordert ein neues Bewusstsein der Spitzenkräfte: Wie Sie Ihre Mails formulieren, ist Teil der Kultur. Es prägt den Stil Ihres Hauses stärker als Ihr Vorwort in der Mitarbeiterzeitung. Ein menschliches Wort kostet Sekunden, ist aber Gold wert. Bleiben Sie Sie selbst.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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