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22.01.2013

07:31 Uhr

Der Werber-Rat

Jungs sind beim Lernen die neuen Mädchen

VonInes Imdahl

Jungen und Mädchen eignen sich Wissen unterschiedlich an. Auch bei der Anwendung von Erlerntem gibt es große Unterschiede. Lego hat das erkannt. Jetzt müssen nur noch die Schulen nachziehen.

Schüler in der Grundschule. dpa

Schüler in der Grundschule.

Vor mehr als 100 Jahren gab es in der diagnostischen Psychologie Intelligenztests, die „eindeutig“ nachwiesen, dass Mädchen und Frauen weniger intelligent sind als Männer. Dann ist ein kluger Mann auf die Idee gekommen, Intelligenztests zu entwickeln, die das Gegenteil „beweisen“. Eine Diskussion rund um die Frage, was Intelligenz überhaupt ist, konnte letztlich nur beantwortet werden mit der Feststellung: Das, was der Intelligenztest misst. Fazit: Männer und Frauen sind immer nur so intelligent wie der Intelligenztest.

Aber dieses Lehrstück zeigt: Lernen und die Anwendung von Erlerntem funktioniert bei Mädchen und Jungen unterschiedlich. Auf meinem reinen Mädchengymnasium gab es vor 30 Jahren landesweit die meisten von jungen Frauen belegten Leistungskurse in Mathematik und Naturwissenschaften. Es handelte sich dabei nicht um eine Klosterschule, und das Jungengymnasium war gleich nebenan. Das machte die Pausen interessanter. Der Unterricht aber fand ohne Ablenkung statt. Und vor allem folgte er dem Lernmodus der Mädchen. Denn sie eignen sich abstraktes und naturwissenschaftliches Denken anders an. Haben Lehrer jedoch gemischte Klassen, folgen sie unbewusst meist einem allzu logischen, wenig anschaulichem Vermittlungsstil.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Lego hat es nun geschafft, durch neue Farbsteine und interessantere Bildwelten, die Mädchen für sich zu gewinnen. Auf einmal können fünfjährige Mädchen genauso wie Jungen anhand von dreidimensionalen Zeichnungen komplexe Gebilde wie Autos - ja in rosa - nachbauen. Mit Hundesitz und Kofferraum für Taschen. Der gelbe Bagger mit Abrissbirne hat sie einfach nicht im gleichen Umfang interessiert. Kinder unterschiedlichen Geschlechts sind zwar gleich talentiert, aber das zeigt sich nur bei ungleichen Förderungsarten. Verrückt ist, dass ausgerechnet der normierte Lego-Baustein - wegen großer Standardisierung, Gleichmacherei und Fantasielosigkeit oft kritisiert - nun geschlechtsspezifische Lernformen für dreidimensionales Denken anbietet. Und damit erstmalig ein gleichwertiges Angebot für unterschiedliche Bedürfnisse. Davon können Schulen lernen.

Denn: Jungs sind in puncto Lernen die neuen Mädchen. Insbesondere wenn es um die sprachliche Talentförderung geht. Lese- und Schreibkompetenz wird in gemischt-geschlechtlichen Unterrichtsstunden bei Jungen schwächer entwickelt. Jungs lesen nicht gut. Ein jungenspezifisches Leseangebot könnte dem Lehrstück Lego folgend Abhilfe verschaffen. Spielen kann man ja dann in den Pausen - gerne auch mit verschiedenfarbigen Legosteinen.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (2)

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gamoschka

22.01.2013, 09:41 Uhr

Schule ist wirklich ein Jammertal; habe mit meinen Kindern die unterschiedlisten Schulformen durchprobiert. Eigentlich haben Direktoren relativ freie Hand bei der Ausgestaltung des Unterrichts, aber es wird (jedenfalls in meinen Fällen)kaum Gebrauch gemacht. Es herrscht ein unglaublich stefes Denken und der Alltag ist hauptsächlich auf die Bedürfnisse der Lehrer ausgelegt. Das ist alles so unbefriedigend für Eltern, zumal es tausende sehr gute und einfache Ideen wie eben lego gibt. Und das beim Megathema Nr. 1

Account gelöscht!

22.01.2013, 14:04 Uhr

Ich plädiere schon lange wieder für getrennte Schulen.
Es ist ja auch kein Wunder, dass Jugnens heute in de Schulen schlechter sind und vor allem lustlosr.
Unser Schulen sind komplett verweiblicht und das ist zum Nachteil der Jungen.
Den Jungens, ganz besonders ind r Pubertät fehlen Männer

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