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18.09.2014

21:05 Uhr

Der Werber-Rat

Kampfplatz Armlehne

VonBritta Poetzsch

Nirgendwo spürt man den Geschlechterkrieg am eigenen Leib so deutlich wie beim Kampf um die Armlehne im Flugzeug. Eine tolle Aufgabe für Kommunikationsprofis!

Geschlechterkrieg im Flieger: Als Frau verliert man oft den Kampf um die Armlehne. dpa

Geschlechterkrieg im Flieger: Als Frau verliert man oft den Kampf um die Armlehne.

Es wird ja viel vom Geschlechterkampf gesprochen und geschrieben. Der tobe in den Vorstandsetagen. Im Wettbewerb um die besseren Jobs. In den Meetingräumen dieser Welt. In der Politik. Im Ehebett. Das mag alles sein. So oft bin ich in dieses Kriegsgeschehen gar nicht bewusst verwickelt.

Aber es gibt eine Situation, da spüre ich es quasi am eigenen Leib. Beim Kampf um die Armlehne im Flugzeug. Besonders ausgeprägt, wenn man mal wieder zu spät eingecheckt und nur den Mittelplatz erwischt hat. Als Pendlerin zwischen Berlin und München sitze ich im Schnitt zweimal die Woche im Flieger. Wenn Kundentermine anstehen, noch öfter. Noch nie habe ich einen Zentimeter Armlehne abbekommen, wenn rechts und links von mir Männer saßen. Noch nie!

Denn die Herren okkupieren mit Selbstverständlichkeit einfach beide Armlehnen. Ob sie nun mit seltsam angespitzten, festgeschraubten Ellenbogen schlafen, ausladend Zeitung lesen oder hektisch in ihre Laptops hacken: Die Armlehne gehört ihnen, während ich mit zusammengezogenen Schultern dasitze, die Beine umeinanderknote und versuche, jeden Körperkontakt zu meiden.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Nun fragen Sie sich sicher, was hat das in einer Kolumne über Kommunikation zu suchen? Ist ja schließlich keine Kolumne über Verhaltensauffälligkeiten, schlechte Erziehung oder Benimmregeln. Die Antwort ist: weil dahinter eine Botschaft steckt. Weil das nonverbale Kommunikation ist. Und die wird vor allem von Geschäftsmännern ausgeübt, die viel fliegen und es eigentlich besser wissen müssten. Die Botschaft lautet: „Ich bin hier der Platzhirsch. Und du nicht. Ätschibätschie!“

Nun könnte man dieses Revierverhalten durch freundliche Ansprache lösen. Oder durch eine ellenbogenspitze Bemerkung. Dazu bin ich nicht mehr in der Lage. Weil sich eine kalte, kleine, böse Wut bereits ganz tief festgefressen hat und in meinem Inneren vor sich hinpockert. Ich würde mich freuen, wenn sich eine Agentur mit einem Airline-Kunden dieses Problems endlich annehmen könnte. Los, ihr Kommunikationsprofis – das ist doch mal eine kreative Herausforderung! Und wenn ihr schon dabei seid, dann macht noch eine Kampagne gegen Anzugträger mit Rucksäcken, die sich durchs Leben rempeln.

Die Autorin:

Britta Poetzsch ist Head of Lifestyle der Agenturgruppe Serviceplan. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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Sergio Puntila

19.09.2014, 13:10 Uhr

Nicht nur bei Economny-Flügen, sondern auch im Theater, in der Oper sowie im Konzertsaal gilt, dass Armlehnen auch von nebeneinander Sitzenden gleichzeitig benutzt werden können - vorausgesetzt natürlich, man wünscht nicht via Armlehnennutzung das Hausrecht für seinen Besuch zu reklamieren.

Mit etwas Übung funktioniert das sogar recht gut.

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