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22.02.2013

15:22 Uhr

Der Werber-Rat

Kaufen – wozu denn eigentlich?

VonUli Mayer-Johanssen

Tauschen ist der neue Trend für alle Konsumgeplagten. Warum auch teures Werkzeug kaufen, das man höchstens zweimal verwendet? Bislang schaffen es nur wenige Handelsketten, auf das Phänomen richtig zu reagieren.

Viele Verbraucher sind ihrer Rolle als Käufer überdrüssig geworden. Tauschen geht ja schließlich auch. dpa

Viele Verbraucher sind ihrer Rolle als Käufer überdrüssig geworden. Tauschen geht ja schließlich auch.

Auch wenn in der Zalando-Werbung die Frauen über ihre Päckchen noch kreischen, das Internetunternehmen dürfte, wie auch zahlreiche Modemarken, dennoch langsam unruhig werden. Denn statt zu kaufen, gehen immer mehr Frauen dazu über, lieber zu tauschen. Auf Swap-Partys erneuern sie bei Prosecco und Lounge-Musik ihren Kleiderschrank, ohne einen Cent zu investieren. Jede Teilnehmerin bringt die besten Stücke aus ihrem Fundus mit und kann dafür Kleidung von anderen Partygästen mit nach Hause nehmen.

Die Swap-Partys sind Ausdruck eines neuen weltweiten Konsumtrends: der Ökonomie des Teilens. Die Idee wurde während der Finanzkrise geboren, ist aber längst seinem Nischendasein entwachsen. Das US-Magazin "Time" hält die "Sharing Economy" für eine der relevantesten Ideen, die die Wirtschaft verändern werden. Vor allem junge Menschen haben ihr Konsumverhalten drastisch geändert. Neben Kleidung, werden längst Fahrräder und Autos über Dienste wie Call-a-bike und Car2Go gemeinschaftlich genutzt.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Über das Portal Exchange-me werden Dienstleistungen getauscht, über Winhal Möbel im Abo geleast und über Foodsharing.de sogar Lebensmittel geteilt, die sonst im Mülleimer landen würden.

Laut einer Studie von Rheingold praktizieren bereits zwölf Prozent in Deutschland den geteilten Konsum. Nachrichten über schlechte Arbeitsbedingungen bei Amazon und Zalando mögen nur am Rande dazu beitragen, dass sich ein Umdenken formiert. Die Bewegung wächst und legt zwangsläufig die Frage nahe, wer soll die Waren kaufen, wenn Besitz nicht mehr relevant ist?

Obi begegnet dem Trend zum Werkzeug-Tausch mit dem Angebot Mietprofi. In über 160 Filialen können sich Kunden die Geräte mieten. Der Nebeneffekt: Wenn die Kunden zum Ausleihen kommen, kaufen sie weiteres Zubehör bei Obi. Clever reagierte auch Marks & Spencer. So forderte die Shoppingkette ihre Kunden auf, beim Kauf alte Kleidung abzugeben. Diese wird von der Hilfsorganisation Oxfam recycelt. Der Dank: ein Fünf-Pfund-Gutschein des Filialisten. Beispiele wie diese zeigen, dass die zukunftsweisenden Antworten der Unternehmen in intelligenten Services mit Mehrwert liegen müssen.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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