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15.04.2013

21:58 Uhr

Der Werber-Rat

Kommunikationsdesaster Zypern

VonBodo Hombach

Starke Staaten stützen schwache in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise und bekommen dennoch Schelte. Was läuft nur falsch in der Diskussion über die Euro-Krise? Ein Perspektivwechsel muss her.

Zyprischer Euro im schummrigen Schein – allenthalben herrscht Untergangsstimmung und Aggression im Zusammenhang mit der Eurokrise. Sicherlich auch ein Versäumnis der Brüsseler Politiker. dpa

Zyprischer Euro im schummrigen Schein – allenthalben herrscht Untergangsstimmung und Aggression im Zusammenhang mit der Eurokrise. Sicherlich auch ein Versäumnis der Brüsseler Politiker.

Für Zyprioten war das Glas halb leer. Ihren Politikern und Bankern schien gelungen, vom eigenen Versagen abzulenken. Das üppig zahlende Deutschland wurde als Sündenbock ausstaffiert. Das Volk zog wütend auf die Straße.

Dabei war das Glas halb voll. Ein ARD-Korrespondent in Brüssel traf den Nagel auf den Kopf: Man sollte den Zyprioten sagen: „Hört her! Eure Banken stehen vor dem Crash. In Kürze verdunstet euer Geld. Es gibt eine Chance, um eure Einlagen zu erhalten: Verzichtet auf Zinsen der letzten vier Jahre. Dann kommen zehn Milliarden aus Europa. Was haltet ihr davon?“ Vermutlich hätten alle zugestimmt.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Das Debakel – ein Kommunikationsfehler ersten Ranges? Die großen Entscheider in Brüssel und anderswo – diplomatische Stümper? Sollten nicht alle das kleine Einmaleins der Kommunikation lernen? Die Fragezeichen sind Höflichkeitsfloskeln. Ausrufezeichen wären ehrlicher.

Nebenbei wird den mit Niedrigzinsen abgespeisten Sparern hier ihr Substanzverlust als Bankenrettungsbeitrag für die, die weniger sparen, verkauft. Dass sie für Kapitalerträge zu wenig Steuern zahlen, schreien ihnen tägliche Schlagzeilen entgegen. Einen erstaunlichen Paradigmenwechsel gab es. Dass Staatsschulden mit Bankenrettung zu tun haben, scheint vergessen. Man nennt es nun Euro-Krise. Trotz guter Taten aus Berlin gibt es Prügel.

Blockaden entstehen im Gehirn. Es kommt nicht nur auf Tatsachen an, sondern darauf, welches Bild wir uns davon machen. Wie sie gehört werden, hängt vom Zustand der Beziehungsebene ab. Ist diese gestört, braucht man gar nicht erst den Mund aufzumachen. Man kann sich nur Ärger und Widerstand einhandeln. Gute Kommunikatoren verstehen es, selbst eine Hiobsbotschaft erträglich auszusenden.

Ein Sultan träumte, dass alle Vögel in seinem Garten vom Baum fielen. Er rief den Traumdeuter. Der machte düstere Miene: „Wehe dir! Alle deine Verwandten werden bald sterben.“ Wütend ließ der Sultan ihn köpfen. Der zweite Traumdeuter war klüger: „Freue dich, o Herrscher der Gläubigen“, strahlte er, „du wirst alle deine Verwandten überleben!“ Der Sultan war glücklich, und reich beschenkt ging der Mann davon. Er hatte es verdient.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Kommentare (11)

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15.04.2013, 22:13 Uhr

Die Gemeinschaftswährung zeigt mehr Nachteile als Vorteile auf.

Egal ob die Banken wie wild zocken oder ob sie sich verzocken. Der Aktienhandel an der Börse, die Bankenzockerei und die Immobilienblase 2007/8 haben nichts mit den sehr unterschiedlichen Wirtschaftswachstum der Euro-Länder untereinander zu tun. Hier wird ständig alles vermischt.

Dieses unterschiedliche Wirtschaftswachstum wurde eh und je durch die Anpassung der Wechselkurse, der einzelnen nationalen Währungen, ausgeglichen. Jetzt erfolgt der Ausgleich durch den dauerhaften Rettungsschirm ESM, in Form von einem „Europäischen Länderfinanzausgleich“ in XXL Größe. Wir können davon ausgehen, dass dafür jedes Jahr dreistellige Milliarden € nötig sein werden. Das kann nicht gut gehen. Ebenso ist das völlig weltfremd, dass die Bevölkerungen ihre Souveränitäten, mit allem drum und dran, aufgeben sollen.

Zudem wurde mehrmals gegen den Maastrichter Vertrag verstoßen. Die Nichtbeistands-Klausel (auch No-Bailout-Klausel) bezeichnet eine fundamentale Regelung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU), die in Art. 125 AEU-Vertrag festgelegt ist. Sie schließt die Haftung der Europäischen Union sowie aller Mitgliedstaaten für Verbindlichkeiten anderer Mitgliedstaaten aus. Als Teil des Vertrags von Maastricht wurde diese Regelung am 7. Februar 1992 als Art. 104b in den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EG-Vertrag) aufgenommen. Der gravierende Verstoß liegt darin, dass der ESM durch die No-Bailout-Klausel niemals ratifiziert werden durfte. Das will die AfD ändern.

Egal wie vernünftig argumentiert wird, die CDU, die CSU, die SPD, die FDP, die Piraten, die Grünen und die Linken wollen einfach nicht zugeben, dass die Gemeinschaftswährung - o h n e - Wechselkurse nicht funktionieren kann. Wenn die Demokratie der AfD Populismus ist, dann ist diese Art von Populismus gut. Wo andere versagen, zeigt der „Populismus“ der AfD realistische Lösungsmöglichkeiten in der Eurokrise auf.

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15.04.2013, 22:21 Uhr


Bodo kennt seine Pappenheimer. Schliesslich turnte er wohlwollend in Saloniki EU Stabilitätsbeauftragter für den Balkan wellenschlagend rum. Eine "festige Zeit" mit deinem besonderen Berateranhang aus deutschen Ministerien , wie die Stadtbevölkerung gerne berichtete.

Ach Bodo, du könntest als Gas-Schröderspezi auch innerhalb der CDU/CSU/FDP dein Zubrot "erwirtschaften".

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15.04.2013, 22:45 Uhr

Vor allem sollte man auch mal die Österreicher, Finnen, Niederländer vorschubsen. Die profitieren (ok das Wort mag in diesem Zusammenhang schlechte Kommunikation sein) von einer harten Verhandlungslinie genauso wie wir und stützen den deutschen Kurs ja auch regelmäßig. Aber man kennt noch nicht mal die Namen deren Premierminister

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