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04.03.2013

20:55 Uhr

Der Werber-Rat

Lasst uns Taten sehen!

VonBodo Hombach

Um Menschen wirklich zu überzeugen, braucht man handfeste Beweise. Plakate, Sprüche, Reden machen Menschen heute nicht mehr heiß. Worte zerschellen nur allzu oft an Mauern aus Skepsis.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Die meisten Leute sind durchaus Europäer und wollen es bleiben. Sie wollen sogar mehr Europa als ihre Regierenden. Eine europäische Armee scheint der Mehrheit logisch. Sie wollen aber nicht, dass in Brüssel das Rezept ihres heimischen Bieres festgelegt wird. Sie wollen nicht hochtönende Sprechblasen von "Bürgernähe", die angestrebt sei. "Just do it!" fordern sie an jedem Stammtisch. Wer da nicht beisitzt, studiert Umfragen. Die zeigen irgendwo einen "peak", und sogleich halten das die Interpreten für gemeißelten Bürgerwillen, den sie wortreich aufgreifen.

Die Leute sind jedoch klüger als ihre eigenen Antworten in den Umfragen. Täglich erleben sie sich als multiplexe Wesen mit vielen Eigenschaften, rasch wechselnden Vorlieben und überaus vergesslich gegenüber ihren Irrtümern und Sünden.

Bis heute ist jeder Versuch gescheitert, den neuen Menschen zu kreieren. Er bleibt der Alte mit seinen Widersprüchen und seiner Skepsis gegenüber dem Wort.

Plakate, Sprüche, Reden machen Menschen heute nicht mehr heiß. Im allgemeinen Grundrauschen der Versprechungen und Worthülsen gibt es nur ein Alleinstellungsmerkmal: die überzeugende Tat. Von Europa über die Nation bis in die Region gilt: Wortreiches Hecheln nach Anerkennung ist peinlich, zumindest nicht souverän. Es lässt Schadenfreude zu, die Kritiker als Motivation brauchen.

Vor zehn Jahren erkundigte sich eine Forsa-Umfrage nach dem Image des Reviers. Kein Befragter brachte es mit dem Begriff "Kultur" in Verbindung. Eine Dekade später waren es beinah zehn Prozent. "Kulturhauptstadt/Ruhr2010" hatte stattgefunden. Tausend Initiativen und Ereignisse hatten sich präsentiert. Das Revier musste nicht nur mit "Sprech" für sich werben.

Jetzt steht der Energiewandel an. Was liegt näher, als von der Ruhr eine wichtige Rolle zu erwarten. Der Initiativkreis Ruhr ist dabei, das Jahrhundertprojekt voranzubringen. Technisch klug und gesellschaftlich konsensfähig. Das lässt sich in einer Musterstadt vorzeigen. Den Parolenschaum überwindet, wer im Neuen nicht das lähmende Dilemma sieht, sondern die lösbare Gleichung, auch die mit vielen Unbekannten. Es ist seine Morgengabe an die Zukunft.

Der Autor ist einer von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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Ovid

04.03.2013, 21:38 Uhr

Was soll das schon für ein Jahrhundertprojekt sein, wenn Bodo es groß redet. Ich verwette meinen besten Hut, das ist nur Mittelmäßigkeit.

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