Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.03.2016

16:54 Uhr

Der Werber-Rat

Marken leben länger

VonArmin Jochum

In der heutigen schnelllebigen Welt ist es nicht mehr selbstverständlich, dass Menschen in Marken auch ihr sprichwörtliches Lebenswerk sehen. Ganz anders waren da Unternehmer Renato Bialetti und Musiker Udo Jürgens.

Ein gutes Beispiel für eine Persönlichkeitsmarke: der verstorbene Musiker Udo Jürgens blieb sich und seinen Prinzipien ein Leben lang treu. dpa

Udo Jürgens

Ein gutes Beispiel für eine Persönlichkeitsmarke: der verstorbene Musiker Udo Jürgens blieb sich und seinen Prinzipien ein Leben lang treu.

Karl Wolfgang Epple ist ein Mann der Tat. Mit lässiger Wucht hieb unser Thjnk-Texter eine Espresso-Kanne auf meinen Tisch. "Halt dich fest. Da drin lässt sich der Bialetti-Chef bestatten." Ich staunte nicht schlecht, konnte allerdings mit dieser Information nur wenig anfangen.

Freund Google wusste, wie so oft, Rat: Renato Bialetti, zeitlebens dem Espresso und der Marke seines Vaters verbunden, starb im Alter von 93 Jahren- und entschied sich ausgerechnet für jene "Moka"-Kanne als letzte Ruhestätte, die zu seinen Lebzeiten auch Dreh und Angelpunkt seines Tagwerks war.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Nun könnte man denken, dass der Herr wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank habe - und eine Espressokanne ein nicht gerade weihevoller Ort zum finalen Verbleib darstelle.

In unserer schnelllebigen Welt ist es nämlich nicht mehr ganz selbstverständlich, dass Menschen in Marken auch ihr sprichwörtliches Lebenswerk sehen. Viele nutzen ihre Verantwortung oft scheinbar nur, um vorübergehend Spuren, vor allem aber in ihren Lebensläufen, zu hinterlassen.

Dass Menschen nicht nur Manager, sondern wirklich Teil der meist auch von ihnen selbst geschaffenen Marken werden, ist ein immer seltener zu bestaunender Zustand. Es verlangt von ihnen unter Umständen auch allerhand ab. Was würde die Marke tun? Was würde sie lassen? Wo hört die Marke auf, wo fängt die Privatperson an?

Ein sehr gutes Beispiel in diesem Zusammenhang scheint mir die Persönlichkeitsmarke Udo Jürgens. Der Mann, der mit seinem Konzertflügel zur perfekten Einheit verschmolz, blieb sich und seinen Prinzipien ein Leben lang treu. Er verbreitete Frohsinn in TV-Studios und füllte Arenen, blieb zeitlebens Frauenschwarm und fand als letzte Ruhestätte einen aus feinstem Marmor gehauenen, von weißem Tuch verhüllten Flügel absolut angemessen. Darauf einen doppelten Espresso!

Der Autor: Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×