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20.12.2012

19:14 Uhr

Der Werber-Rat

Marketing nach dem Maya-Kalender

VonStefan Kolle

Weltuntergangspartys am Freitag: Die angekündigte Zeitenwende gibt vielen Menschen Hoffnung auf der Suche nach Sinn und innerer Erfüllung. Auch für Marken kündigt sich eine Zeitenwende an.

Lululemon-Geschäft in San Francisco: Marken werden zu sinnstiftenden Symbolen für Glaubensgemeinschaften. Reuters

Lululemon-Geschäft in San Francisco: Marken werden zu sinnstiftenden Symbolen für Glaubensgemeinschaften.

Am Freitag geht die Welt unter. Zeit, einen Blick darauf zu werfen, was danach kommt. Dem nahenden Weltuntergang kann man auf unterschiedliche Arten begegnen. Man kann auf Weltuntergangspartys gehen, die damit werben, es werde gefeiert, als gäbe es kein Morgen. Man kann sich einen untergangssicheren Bunker mieten oder im Astro TV ein garantiert funktionsfähiges Maya-Schutzamulett für knapp unter 100 Euro kaufen.

Eine seriösere Variante bietet etwa das Hamburger Museum für Völkerkunde, das zur Weltübergangsparty bittet. Die Welt gehe schließlich nicht unter, es gehe vielmehr um das Ende eines Zyklus und den Übergang in ein neues Zeitalter. Das wird von den Völkerkundlern gefeiert. Mit Maya-Priestern, rituellen Tänzen, Schamanen und Tarot-Experten.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Dieses Beispiel zeigt, dass der Hype um das vermeintliche Weltenende eine Saite in den Herzen der Menschen schwingen lässt: Die angekündigte Zeitwende gibt Hoffnung auf der Suche nach Sinn und innerer Erfüllung. Eine Suche, auf die sich immer mehr Menschen begeben.

Auch für Marken kündigt sich damit eine Zeitwende an. Noch ist der Apple-Store der Tempel des modernen Menschen. Aber auf das IT-Zeitalter wird das psychosoziale Zeitalter folgen. Marken werden dann nicht mehr nur Ausweis für Geschmack, Stil und Haltung sein, sie werden zu sinnstiftenden Symbolen für Glaubensgemeinschaften. Lululemon zum Beispiel.

Der Börsenwert der kanadischen Marke für Yoga-Mode liegt bei zehn Milliarden Dollar. Experten sprechen von der überzeugendsten Einzelhandelsgeschichte der Welt. Lululemon wirbt mit Aussagen wie "Freunde zählen mehr als Geld" und verkauft seine Yoga-Hosen und Stirnbänder mit eingewobener Haltung.

Dass Rewe und Edeka für übermorgen noch keine Weltuntergangs-Survival-Bevorratungspakete für 100 Euro anbieten, liegt wahrscheinlich nur daran, dass der Trend zur Tiefe den Konzernen noch ein bisschen suspekt ist. Esoterik-Hokuspokus eben.

Doch wird dieser Trend uns Marketing-Leute unabhängig davon in den kommenden Jahren beschäftigen. Das ist meine Prophezeiung. Mit der aus dem Maya-Kalender kann sie sich nicht messen. Aber wahr werden wird sie auf jeden Fall. Auch nach dem Weltuntergang.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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