Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.08.2013

08:14 Uhr

Der Werber-Rat

Mein Auto, mein Haus, mein Sabbatical

Für ältere Menschen haben die üblichen Statussymbole ausgedient, sie schätzen immaterielle Werte wie Wissen, Zeit und Gesundheit. Die Jüngeren wollen gleich beides.

Eleganter Zweisitzer für die Selbstdarstellung – wenn man Stefan Kolle fragt, war das einmal. Heute zählen Zeit, Wissen und Gesundheit. gms

Eleganter Zweisitzer für die Selbstdarstellung – wenn man Stefan Kolle fragt, war das einmal. Heute zählen Zeit, Wissen und Gesundheit.

Von immer mehr Leuten hört man, dass sie freiwillig von der Karriereleiter gestiegen sind, um sich etwas enorm Wertvolles zu sichern: Zeit. Fragt man sie, wie ihr Umfeld das aufgenommen hat, kommt die einstimmige Antwort: mit Respekt und Bewunderung. Auf Geld und Status verzichten, um mehr Zeit für sich zu haben – das ist heute kein Faulenzertum mehr, sondern cool. Allgemeiner Tenor: „Toll, dass sich das einer traut, ich träume auch schon lange davon.“

Diese Reaktion liegt im Einklang mit den Ergebnissen einer Studie, die die Berliner Strategieagentur diffferent veröffentlicht hat. Die neuen gesellschaftlichen Abgrenzungsmerkmale heißen nicht mehr Haus, Auto und Boot, sondern Zeit, Gesundheit und Wissen. Für Marken liegt die Chance darin, diese Felder glaubhaft zu besetzen. Etwa im Tourismus-Marketing dürfte diese Entwicklung für Händereiben sorgen – Orte, an denen Entschleunigung, Kontemplation und Rückbesinnung möglich sind, haben gute Karten.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Betrachtet man die Studie genauer, so fällt auf, dass dieses neue Status-Empfinden besonders bei den Älteren zuhause ist. Bei Menschen, die nicht nur viel erreicht, sondern sich dafür auch krummgemacht haben. Kein Wunder, dass mit zunehmendem Alter die Erkenntnis wächst, es könnte noch mehr als nur Arbeit im Leben geben. Schaut man noch genauer hin, kann man aber auch für all jene Unternehmen Entwarnung geben, deren Marken gar nichts Immaterielles hergeben. Junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren suchen nach wie vor nach materiellen Dingen, mit denen sie Eindruck schinden können. Eine teure Uhr, ein schickes Auto, eine eigene Wohnung, am besten mit Garten, dazu eine hohe Position im Berufsleben. Interessanterweise stehen für die junge Zielgruppe immaterielle Werte gleichzeitig ebenso hoch im Kurs, allem voran, viel Zeit zu haben.

Kein Wunder, denn wer seit der 5. Klasse durchgekeult hat, um möglichst schnell Karriere zu machen, verspürt schon mit 20 die gleiche Leistungsmüdigkeit wie die Eltern. Wie allerdings die Kombination aus "Viel Zeit für sich selbst" und dem Sammeln von Besitztümern funktionieren soll, muss die junge Generation erst noch herausfinden. Das wird spannend - und bestimmt auch ganz lehrreich für die Älteren.

Der Autor:

Stefan Kolle istMitinhaber und Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe, Hamburg.

Von

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×