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29.04.2013

21:00 Uhr

Der Werber-Rat

Mit dem Handy überführt

VonBodo Hombach

Wer ein Handy bei sich trägt, ist nie allein. Das kleine Ding ermöglicht eine uneingeschränkte Kommunikation, überall. Und es sorgt auch dafür, dass Schurken „ins Netz“ gehen, die das Licht scheuen.

Texten, Telefonieren oder Fotografieren ist dank Handy mittlerweile überall möglich. dpa

Texten, Telefonieren oder Fotografieren ist dank Handy mittlerweile überall möglich.

Vor gut einer Woche schockte ein Video bei „Spiegel Online“". Es schien vom gesetzlosen Übergriff einer Gang russischer Bahnpolizei auf eine junge Frau, die sie fälschlich beschuldigte, einen ungültigen Fahrschein zu haben, zu berichten. Ein Spiegel-Journalist beobachtete den Vorgang, berichtete und stellte dazu schockierende Bilder ins Web.

Das war den Tätern höchst unangenehm. Sie versuchten, die Zeugenschaft zu unterbinden. Sie waren wohl unterwürfige und eingeschüchterte Bürger gewohnt. Herrschaftsgebaren und der Missbrauch von Macht haben es schwerer. Auch autoritäre Systeme sind nicht mehr, was sie einmal waren.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Wer das Handy bei sich hat, ist nicht mehr allein. Das kleine Ding erlaubt die totale Kommunikation in jedem Moment, überall. Auf Knopfdruck protokolliert es Ereignisse in der Nähe und stellt sie ins Netz. So gehen auch solche „ins Netz“, die das Licht scheuen und gern unter sich bleiben würden. Das Video offenbarte auch, dass der Staatsdiener, der die Linse zuhalten wollte und frech drohte: „Sie behindern einen Einsatz!“ kein Russe, sondern bundesdeutscher Amtsträger war.

Der massive Einsatz wurde von eifrigen Mitarbeitern der Deutschen Bahn ausgelöst. Die hat sich nach der Veröffentlichung entschuldigt. Wenn jugendliche Banden Passanten überfallen, die Staatsmacht übergriffig wird oder Autobahnraser sich in ihrer Blechburg allzu sicher fühlen, kann ein Video Flüchtiges festhalten und die Fahndung erleichtern.

Die Bostoner Bilderflut hat allerdings auch Unschuldige an den Pranger gezerrt. Der explosive Mediengebrauch bietet guten wie üblen Machenschaften ein neues Betätigungsfeld.

In einer Gesellschaft, in der viele nicht mehr fragen, ist es „treu und redlich“, was ich da tue, sondern nur noch: „Was ist, wenn es herauskommt?“ ist die Omnipräsenz der vielen Aufzeichnungsmöglichkeiten eine für die Täter ungemütliche Situation. Sie meinen noch immer, im Halbdunkel Herr des Verfahrens zu sein, während zufällige Zeugen ihre Übeltaten in konzertierter Aktion längst gerichtsfest dokumentieren.

Längst heißt es für selbstbewusste Zeugen: „Handys raus!“ Es ernüchtert Täter ungemein, sich später im Live-Mitschnitt wiederzuerkennen.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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Alex

30.04.2013, 01:20 Uhr

Also Ihr linken Journalisten regt mich immer mehr auf. Wenn hier jemandem was vorzuwerfen ist dann wohl der DB und nicht der Polizei.

Ich habe mir das Video angeschaut und verstehe auch nicht wieso die Frau so hysterisch herumschreit.

Und wieso schreiben Sie eigentlich von "russischer Bahnpolizei"? Ich habe den Eindruck Sie wissen gar nicht um was es bei dem Spiegel-Artikel eigentlich geht.


Jeder sollte übrigens daran denken dass er selbst vielleicht irgendwann mal in einer Notlage ist und froh sein wird, wenn die Polizei ihm dann hilft.

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