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17.08.2012

07:19 Uhr

Der Werber-Rat

Mode besinnt sich auf Tradition

VonUli Mayer-Johanssen

Die Personalentscheidungen bei den Modehäusern zeigt vor allem eins: die Rückkehr zur Tradition. Nirgendwo wird das deutlicher als bei Jil Sander, wo die Grande Dame der deutschen Mode zu ihrem Unternehmen zurückkehrt.

Der Modeschöpfer Raf Simons setzt bei Dior auf die Historie der Marke. Reuters

Der Modeschöpfer Raf Simons setzt bei Dior auf die Historie der Marke.

Als Jil Sander, die Grande Dame der deutschen Mode, im Frühjahr 2012 die Rückkehr zu ihrem 1968 gegründeten Unternehmen verkündete, war das ein bewegender Moment. Immerhin kehrt die Designerin zum dritten Mal zurück. Dennoch wurde trotz vieler Vorschusslorbeeren hinter vorgehaltener Hand getuschelt, ob die 68-Jährige wohl die richtige Wahl sei.

Aus Markensicht konnte es keine bessere Entscheidung geben. Die Werte, die Jil Sander als Person wie als Marke verkörpert, sind aktueller denn je. Auch die Modebranche spürt die Auswirkungen einer schlingernden Wirtschaft, die die Menschen verunsichert und dazu führt, dass Nachhaltigkeit im Trend liegt.

Jil Sander selbst drückte es bei ihrer Rückkehr so aus: „Die Modewelt braucht klare Handschriften und authentische Stimmen.“ Ihre Mode war immer zeitlos modern. Natürlich griffen ihre Kollektionen aktuelle Trends auf, aber die Marke blieb sich treu und stand für eine klare Identität, nämlich stilsichere Reduktion und beeindruckende Souveränität.

Die Mode von Jil Sander war nie modischer Firlefanz, der nach einer Saison aussortiert werden musste. Im Gegenteil: Die Stücke wollte man behalten. Die Besinnung auf Tradition erlebt in der Modebranche eine Wiederbelebung.

Dass der zurückhaltende vormalige Jil-Sander-Designer Raf Simons den exzentrischen John Galliano bei der französischen Marke Dior ablöst, zeigt deutlich, wie sich die Welt der Mode gerade wandelt. Denn für Dior bedeutet dies eine radikale Wende, zurück zur einstmals unverwechselbaren Handschrift und weg von vordergründigen Effekten.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Simons erste Kollektion setzt auf die Historie der Marke Dior und interpretiert sie zeitgemäß. Die Mode wird wieder tragbar, sie bekennt sich zum Selbstverständnis der Marke.

Im Trend, Tradition und Moderne zu verknüpfen, liegt ein weiteres Modehaus. Yves Saint Laurent holte sich Hedi Slimane, der einst die Männermode bei Dior revolutionierte. Kaum hatte er seinen Job angetreten, setzte er ein Zeichen. Schriftzug und Name „Saint Laurent Paris“ knüpfen an die Wurzeln des Unternehmens aus den 60er-Jahren an.

Selbstverständlich muss Slimane noch beweisen, dass die „neue“ Marke Saint Laurent dies auch einlöst. Doch die entscheidende Basis wurde hier ebenso gelegt wie bei Dior und Jil Sander: die Fokussierung auf die eigene Handschrift. Denn auch für die Modebranche gilt: Starke Marken sind erfolgreich, weil sie ihren Werten treu bleiben und sich aus ihrer Identität heraus neu erfinden.

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