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20.12.2012

14:05 Uhr

Der Werber-Rat

Ohne Rücksicht auf Verluste

VonFrank Dopheide

Staatsanwälte suchen zunehmend das Scheinwerferlicht für ihre Attacken gegen die Topetagen der Wirtschaft. Die Kollateralschäden ihrer Zugriffe bei Mitarbeitern, Marke und Unternehmen wachsen.

Polizeibeamte bei einer Razzia im Hauptgebäude der Deutschen Bank. dapd

Polizeibeamte bei einer Razzia im Hauptgebäude der Deutschen Bank.

Manager gelten nicht als Spezies, der man besonderes Mitgefühl entgegenbringen müsste. Schließlich verdienen sie Millionen. Einen Topmanager an den Pranger zu stellen, ist eine sichere Sache, um Sympathiepunkte in der Öffentlichkeit zu sammeln. Und die Spitzenkräfte machen sich das Leben selbst schwer. Durch ungeschicktes Auftreten haben sie massiv an Vertrauen verloren. Mittlerweile belegen sie im Gfk-Vertrauensranking den vorletzten Platz. Nur die politische Kaste liegt noch dahinter.

Dabei ist ein Manager, der kein persönliches Vertrauenskapital aufgebaut hat, jeder Angriffswelle schutzlos ausgeliefert. Dieser öffentliche Sympathiebonus wirkt vermutlich energetisierend auf Staatsanwälte, suchen sie doch zunehmend das Scheinwerferlicht für ihre Attacken gegen die Topmanager. Mangelnde Gesetzestreue beantworten sie mit Wucht und Kompromisslosigkeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Wir nehmen das mit Freude zur Kenntnis. Doch drohen die Fahnder bei der Wahl der Waffen das Maß aus den Augen zu verlieren. Die Kollateralschäden ihrer Zugriffe bei Mitarbeitern, Marke und Unternehmen wachsen. Eine 500 Mann starke Sondereinheit stürmt eine Bankzentrale, um vier Schreibtischtäter, ausgewiesene Steuerfachleute, in Gewahrsam zu nehmen. Dem globalen CEO wird die Klageschrift für ein bekanntes Verfahren in die Hände gedrückt.

Damit schafft der Staatsanwalt Fakten und ein Bild, das um die Welt geht und den Börsenwert des Unternehmens um Hunderte Millionen Euro erleichtert. Strafe muss sein. Irgendwie wirkt dieses Verhalten unverhältnismäßig. Die inhaftierten Kollegen haben bereits ihr Urteil - lebenslänglich ohne Job. Die Kunden des Hauses gehen instinktiv auf Distanz. Wer will schon in Verdacht geraten, mit Kriminellen Geschäfte zu machen?

Was denken die Mitarbeiter, wenn fünf Hundertschaften durch die eigenen Büros stürmen? Dem Recht wurde Genüge getan, sagen die Offiziellen aus Politik und Justiz. Das ist wichtig. Hätten sie es nur nicht so zelebriert. Mit der Anzahl der Kameras erhöht sich der Schaden, nicht die Gerechtigkeit.

Die Verletzungen, die der Marke abseits des juristischen Tatbestands zugefügt wurden, sind massiv und schwer zu heilen. Aus Markensicht wirkt dieses Verhalten wie ein Vergehen. Der Autor ist einer von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (2)

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Peter131

20.12.2012, 14:20 Uhr

Sie mögen ja Recht haben mit dem Kommentar. Aber es geht auch darum, exemplarisch vorzuführen, wie mit solchen kriminellen Handlungen umzugehen ist. Es ist einfach nicht tragbar, daß im nun zum Glück nur scheinbaren Schutz einer internationalen Größe kriminell gehandelt wird.
Und warum nicht auch die Großen? Haben Sie schon einmal eine Kontenpfändung (über alle Konten!) erlebt wegen einer vergleichsweise kleinen Steuerschuld? Das habe ich in der Bekanntschaft verfolgen dürfen. Das war auch hart. Aber wieder die Frage: Ja warum denn überhaupt Steuerschulden? Es hilft nichts: Gesetze sind dazu da, eingehalten zu werden. Und wenn man sie nicht einhält, greift der Staat zu seinen MÖglichkeiten. Ist doch irgendwie in Ordnung, oder?

Account gelöscht!

20.12.2012, 16:40 Uhr

Zum einen mag man dem Autor beipflichten.

Aber!!!

Gerade das Beispiel Deutsche Bank zeigt doch mit welchem Selbstverständnis dort mit Gesetzen umgegangen wird, wie die Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften aussieht.

Als Kunde habe ich der Deutschen Bank schon vor 20 Jahren den Rücken gegehrt nachdem die Bank mit sprichwörtlich ein Messer in Rücken gerammt hat. (Familie Kirch hatte zumindest noch genug Kapital um die Bank vor Gericht zu bringen)

Dieser Umgang mit Kunden, mit Kunden Geldern zieht sich durch die letzten Jahre bei der "Deutschen" wie auch bei anderen Banken.

Man hat ja nie wirklich geglaubt dass die Bank Dein Freund ist, aber zumindest waren wir der Meinung die Bank ist mein Partner (wenn auch "nur" Geschäftspartner). Aber heute wissen wir, die Geschäftsbanken halten es wie die Spielbanken, "DIE BANK GEWINNT IMMER!"
Der Kunde ist nur dazu da die Gewinne der Bank zu ermöglichen, sozusagen ein notwendiges Übel - Im Investmentbanking schon kaum noch notwendig.

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die Bürger Hurra!! schreien wenn es den Banken und den Bankern auch endlich mal an den Kragen geht.

Es wird eben auch klar wenn nun der Oberbanker beim Ministerpräsidenten anruft um sich zu beschweren. Da wurde denn mal deutlich wie es die vielen Jahre so gelaufen ist.

Wenn man heute in Bedingen an der Friedhofskapelle vorbei geht wird man ein leichtes Brummen vernehmen können. Das ist keine U-Bahn sondern Herr Hermann Josef Abs, der mittlerweile zum Brummkreisel in seinem Grab mutiert ist und nicht mehr zur Ruhe kommt.

Klar ist nun eben auch: "Die Schonfrist ist vorbei!"

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