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07.02.2014

12:59 Uhr

Der Werber-Rat

Ordnungsrahmen oder Gefängnishof?

VonBodo Hombach

Mit der Digitalisierung erlebt die deutsche Medienbranche eine gewaltige Transformation. Doch neue Ideen scheitern regelmäßig an antiquierten Gesetzen. Davon profitiert die Konkurrenz im Ausland.

Die inländischen Medien wollen kreativ sein und neue Formate entwickeln. Doch Staatsverträge und Landesmediengesetze wirken dem oft entgegen. Die ausländische Konkurrenz freut das. dpa

Die inländischen Medien wollen kreativ sein und neue Formate entwickeln. Doch Staatsverträge und Landesmediengesetze wirken dem oft entgegen. Die ausländische Konkurrenz freut das.

Kreativität und Vielfalt. Auf so schöne Dinge muss sich verlassen, wer nicht mit Rohstoffen und Niedriglohn punkten kann. Das ist das Geschäftsmodell der Kreativwirtschaft. Sie belegt in Deutschland Platz 3 der industriellen Wertschöpfung. Wichtige Motoren sind Sender, Verleger, Produzenten. Sie beschäftigen ein Heer von Tüftlern und Kreativos in den Werkstätten, Studios und Redaktionen. In den USA und Asien werden sie gemocht und gefördert. In Europa, speziell in Deutschland, gelten sie als heikel, und man blockiert sie.

Die Medienindustrie erlebt den größten Transformationsprozess ihrer Geschichte. Sie ist von der digitalen Revolution grundstürzend betroffen. Der Markt wird täglich neu verhandelt. Wer zu lange trauert oder zögert, bleibt auf der Strecke. Wer sich mit hausgemachten Hindernissen deutscher Bürokratie plagen muss, hat im globalen Wettbewerb keine Chancen.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Gerade erst untersagte das Bundeskartellamt dem öffentlich-rechtlichen und dem privaten Rundfunk die Gründung einer gemeinsamen Plattform für Videos. Ausländische Konkurrenten, allen voran US-Großkonzerne, reiben sich begeistert die Hände. Sie haben keine Schranken bei Werbung und Verbreitung ihrer Bewegtbildangebote. Die inländischen Fernseh- und Hörfunkveranstalter legt man mit antiquarischen Regelwerken an die Kette. Das ist nicht Ordnungsrahmen, sondern Gefängnishof. Der Wirtschaftsstandort Europa verzwergt sich selbst.

Staatsverträge und Landesmediengesetze, die genau wissen, wie viele Minuten wer wann und wo werben darf, entstammen einer Zeit, als sich der nationale Medienmarkt noch isoliert betrachten ließ. Digitalisierung, Konvergenz und Globalisierung machen daraus jedoch gefährliche Romantik. Längst spielen alle ein neues Spiel, aber jeder nach anderen Regeln.

Hier sind Pragmatismus, Dynamik und Entwicklungsräume gefragt. Inhalte bedürfen der Beobachtung. Wer aber glaubt, technische Verbreitungswege regulieren zu können, denkt in Grenzen, die es nicht mehr gibt. Paragrafen sind nicht so schnell geschrieben, wie sich neue Technik entwickelt. Wer unfaire Hürden errichtet, erstickt den Wettbewerb, auch den um die Qualität von Inhalten.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik und Vorstand der Brost-Stiftung. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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mon_yburns@central.banktunnel.eu

07.02.2014, 13:44 Uhr

Wenn ich dank "1-Click-Kauf-Schaltflächen/Buttons" auf dem Smart-TV anhand der Internet-Logs weiß worüber sie sich informieren, dann weiß ich anhand der Börsnsendungen die sie sich ansehen auch welche Aktien sie kaufen und kann den Kurs in die Höhe treiben bevor sie kaufen.

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