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19.03.2013

09:13 Uhr

Der Werber-Rat

Paradox der Macht: Rücktritt aus Stärke

Die Kirche macht vor, was in Demokratien selbstverständlich sein sollte: Nicht die Person, sondern das Amt ist wichtig. Nur derjenige hat das Recht, den Stuhl zu besetzen, der ihn nicht besitzen will.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Weißer Rauch - „Habemus Papam!“ Alles wieder gut. Die katholische Kirche ist die letzte noch aktive Institution der Antike. Wie alle Großgruppen hat sie das Problem der Macht. Dem ist auch ihr Verursacher vor 2000 Jahren nicht ausgewichen. Die üblichen Methoden erfolgreicher Machtansammlung wies er in der Wüste als Versuchung des Teufels zurück: Versorgung (aus Steinen wird Brot), Geheimnistuerei (vom Tempel springen und sich durch Engel auffangen lassen) und Gewalt (alle Reiche der Erde). Dostojewski widmete dem Thema ein Kapitel (Der Großinquisitor) in seinem Roman „Die Brüder Karamasow“.

Was also ist spirituelle Macht? Sein statt Haben? Nicht Sieg, sondern Frieden? Im Anderen nicht das Objekt, sondern die Person zu entdecken? Ihm jenseits von Geschlecht, Gesundheitszustand, Hautfarbe oder sozialem Stand eine unkündbare Beziehung anzubieten? Einfluss durch Abwarten?

„Wie viele Kanonen hat der Papst?“ fragte Stalin einst im Vollbesitz seiner geistigen Beschränktheit. Aber es gibt nicht nur die Versuchung der Macht, sondern auch die der Unterwerfung. Und ein Mensch kann entdecken, dass er ein Amt nicht mehr tragen will, das mit untragbarer Last beladen wurde.

So kann ein schwieriges Pontifikat durch Rücktritt als historisches Ereignis enden. Fremdartig in einer Welt, wo Ämter als Trophäe gelten und die Stühle ungeheuer klebrig sind.

Ein antiker „Gottesstaat“ macht vor, was in Demokratien selbstverständlich sein sollte, denn es ist ihr Selbstverständnis: Nicht die Person, sondern das Amt ist wichtig. Wer das Amt beschädigt und trotzig an seinem Sessel klebt, ob als Präsident, Bürgermeister oder Wirtschaftslenker, hat den Sinn des Ganzen noch nicht kapiert.

Die Leute ahnen es dunkel. Der Jubel, mit dem Papst Benedikt bei seinen letzten Auftritten bedacht wurde, war nicht Freude, dass es endlich vorbei war, sondern Respekt vor einer souveränen Entscheidung nach anderen Maßstäben als Gewalt und Gewinn.

Da wird spirituelle Macht fast schon unheimlich. Sie adelt die Machtlosen. Sie setzt auch den Nachfolgern einen Rahmen. Nur derjenige hat das Recht, den Stuhl zu besetzen, der ihn nicht besitzen will und ihn jederzeit wieder räumen kann.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Von

Kommentare (1)

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19.03.2013, 20:08 Uhr

Interesannt ist, dass einige Medien bemüht sind uns den neuen Papst als Konservativen zu verkaufen, nur weil er gegen Abtreibung und Homo-Ehe ist. Solche Positionen sind für einen katholischen Bischof nicht Ausweis einer besonders konservativen Einstellung, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Ein hervorragende Analyse zum neuen Papst und seiner potentiellen Fan-Gemeinde:
http://korrektheiten.com/2013/03/14/papstwahl-franziskus-i-bergoglio/

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