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27.06.2013

21:01 Uhr

Der Werber-Rat

Persönlichkeit schlägt Internet

VonStefan Kolle

Das Internet ist auch wegen der Uniformität vieler Läden so erfolgreich. Wer sich als Einzelhändler behaupten will, muss sich auf seine persönlichen Stärken konzentrieren.

Apple-Produkte gäbe es auch im Netz. Aber auch die Apple-Läden sind erfolgreich – weil sie bleibende Erlebnisse schaffen. dpa

Apple-Produkte gäbe es auch im Netz. Aber auch die Apple-Läden sind erfolgreich – weil sie bleibende Erlebnisse schaffen.

Man kann es keinem Verbraucher übel nehmen, dass es ihm völlig gleichgültig ist, ob er seine Kaffeemaschine im Elektromarkt oder im Internet kauft. Man kann es vielmehr dem Elektromarkt übel nehmen, dass er ungefähr genauso viel Persönlichkeit ausstrahlt wie „das Internet“.

Würde man beim Betreten solcher Märkte nicht auf das Leuchtschild achten, man wüsste nicht, bei welchem Händler man gerade ist, und auch nicht, in welchem Land. Uniforme Shoppingmalls, uniformes Shopdesign, uniforme Produkte. Gegen dieses „Egal wo“ gewinnt ein intelligentes „Nur hier“. Denn wer seinem Laden eine eigene Persönlichkeit gibt, kann auch persönliche Beziehungen knüpfen.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Persönlich schlägt personalisiert. Natürlich gibt es auch perfekt personalisierte Shopping-Portale, personalisierte Newsletter und personalisierte Angebote. Aber macht es nicht doch irgendwie einen Unterschied, ob man nach monatelanger Abwesenheit von einer Verkäuferin mit Namen begrüßt wird oder von einer Website? Doch, macht es.

Erlebnis schlägt Schnäppchen. Händler, die nichts als billige Preise kommunizieren, dürfen sich nicht wundern, wenn die Kunden darauf konditioniert werden, die billigsten Preise zu ergattern. Das allerdings ist ein kurzer Triumph, der weder einen bleibenden Eindruck hinterlässt noch an einen speziellen Ort gebunden ist. Billig gibt’s auch im Netz. Ganz anders sind Läden von Marken wie Apple, Abercrombie Fitch oder All Saints. Trotz eigener Internetshops sind sie unschlagbare Publikumsmagnete. Weil sie durch Licht, Musik, Architektur und Düfte einzigartige, bleibende Erlebnisse schaffen, die ein Onlineshop niemals bieten wird.

Begeisterung schlägt Cleverness. Schnäppchen haben ohnehin den gleichen Effekt wie Fast Food: Sie bieten eine kurze Befriedigung („Ich bin schlau!“), machen aber weder satt noch glücklich. Denn Glück spart nicht, Glück fließt über. Wer die Menschen also nicht nur mit einer Tragetasche voller Kram, sondern obendrein mit besonderen Erlebnissen, liebevollen Verpackungen, teilbaren Geschichten und echten Empfindungen auf die Straße entlässt, hat mehr als schlaue Kunden: zufriedene und loyale Kunden. Von einer Art, wie sie das Internet nur selten hervorbringt.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (4)

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poweredpotatoe

27.06.2013, 23:04 Uhr

Dies ist ein sehr klassischer Werberrat, der ja auch seine Berechtigung hat. Sie hilft aber Händlern nicht, deren Produkte eben auch im Internet angeboten werden.

So ist eventuell eher damit zu rechnen, daß künftig Fahrradhändler keine E-Bikes mehr bereit halten - trotz ausführlicher Beratung ist die Verlockung beim Endkunden groß, über eine Internetbestellung bis zu 500 € zu sparen.

Haben Sie auch hier einen Tipp?

Account gelöscht!

28.06.2013, 00:42 Uhr

Ich sehe das genauso wie poweredpotatoe...
Warum gibt es den Erfolg von Aldi und Lidl?
Früher ging man mit Scham dorthin..und heute trifft man dort seinen Professor.
Der Verbraucher ist mündiger und erwachsener geworden. Die alten Verkaufsstrategien ziehen nicht mehr. Man kann noch zu freundlich und hübsch sein, dafür bezahlt höchstens noch die reifere Oberschicht gerne 30% mehr als im Internet.

El_Gato

28.06.2013, 10:33 Uhr

Ja, das ist das Problem. Der handel hat uns über Jahrzehnte darauf konditioniert, nur auf den Preis zu achten.
Und nun wundert / ärgert er sich wenn der Kunde genau das macht und dort kauft wo es eben billiger sein kann, im Internet eben.
Ganz daneben ist es dann von Kunden (und da verstehe ich den Ärger der Einzelhändler) wenn man im Laden sich beraten lässt und dann im Internet kauft. Am besten beschwert man sich dann noch in Portalen, daß der Einzelhändler nicht alle Fragen beantworten konnte. Schulungen von Personal ist teuer, die Verkäufer in Läden sind öfter weniger ausgelastet als im stark zentralisierten Online-Handel.
Ich kaufe manche Sachen bewußt nicht im Internet (oft z. B. Klamotten außer Standardsachen wie Hemden).
Auch die wirklich besonderen Produkte gibt es meist eher in echten Läden, da kann man auch gleich merken ob es etwas taugt oder nur billiges Zeug gut fotografiert ist.
Eine Lösung für alle, oder auch für alle Produkte habe ich nicht. Sehr vieles ist eben austauschbar, daher ist das einzige Unterscheidungsmerkmal der Preis.

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