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06.11.2014

21:00 Uhr

Der Werber-Rat

Pflegeanleitung für Printprodukte

VonBritta Poetzsch

Auf der Verleihung des Bayerischen Printmedienpreises wurde Print gefeiert. Anderswo wird schon der Abgesang angestimmt. Die Wahrheit liegt in der Mitte.

ufIm Journalismus der Zukunft ist nicht entscheidend, wie zwischen Print und Online unterschieden wird – auf das Pflegen der Marke kommt es an. dpa

ufIm Journalismus der Zukunft ist nicht entscheidend, wie zwischen Print und Online unterschieden wird – auf das Pflegen der Marke kommt es an.

Vergangene Woche, auf der Verleihung des Bayerischen Printmedienpreises in München, habe ich mir mal wieder sehr stark Sorgen um die Printmedien gemacht. Warum? Weil jede dort gehaltene Rede den Qualitätsjournalismus fast schon flehentlich beschwor.

In einer Zeit, wo wir nur noch von schnellen Tickernachrichten überschwemmt werden, sei es umso dringender nötig, das jemand diese analysiert, hinterfragt, einordnet und für die Leser aufbereitet. Mit Intelligenz, Kreativität und handwerklichem Können. Die zweite Botschaft des Tages: Es sei enorm wichtig, seine Inhalte im Netz nicht zu verschenken.

Das ist alles sehr einleuchtend. Aber wieso fällt es jetzt erst auf? 20 Jahre, nachdem „Spiegel Online“ aus der Taufe gehoben wurde? Warum ist es nicht längst schon selbstverständlich, dass man für das, was am Kiosk Geld kostet, online eben auch bezahlen muss?

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Bei den ehemals großen Flaggschiffen der Printwelt drehen sich lustig die Chefredakteurskarusselle. Keiner scheint das Rezept zu kennen, wie man den sinkenden Auflagen begegnet. Werbekunden zieht es mit Macht in die digitale Welt. Vielleicht auch deshalb, weil der Wert von Printmedien niemandem mehr so richtig klar ist? Außer den Besuchern von bayerischen Staatspreisverleihungen, die natürlich allesamt aus der Branche kamen.

Was macht Print so wertvoll? Kein anderes Medium genießt so sehr die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Konsumenten. Wer zu einem Printprodukt greift, der nimmt sich auch immer Zeit für sich selbst. Selbstverständlich kann dieses Medium nicht konkurrieren mit den schnellen Onlinediensten. Das ist ja gerade seine Qualität. Es ist einfach alt gedacht, überhaupt noch zwischen Print und Digital zu unterscheiden. Verlagsprodukte sind Marken.

Diese Marken stehen für bestimmte Werte und Inhalte. Wo mir diese Marken dann begegnen - als Podiumsdiskussion, als digitaler Inhalt, als Bewegtbild oder am Ende sogar noch gedruckt auf Papier -, ist eigentlich egal. In diesem Sinne heißt vielleicht das Rezept zum Überleben: Pflegt eure Marken!

Die Autorin:

Britta Poetzsch ist Head of Lifestyle der Agenturgruppe Serviceplan. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im Wechsel über Kommunikation schreiben.

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