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01.07.2014

17:05 Uhr

Der Werber-Rat

Pro Bono – aber nicht umsonst

VonArmin Jochum

In Cannes findet alljährlich die Weltmeisterschaft der Kreativbranche statt. Das Festival 2014 bot Stoff für zahlreiche Berichte und Kolumnen. Und es zeigte einmal mehr: Great stories start in Cannes.

Die schönsten Geschichten beginnen in Cannes, meint der Kolumnist Armin Jochum, besonders für Werbekampagnen für den guten Zweck. dpa

Die schönsten Geschichten beginnen in Cannes, meint der Kolumnist Armin Jochum, besonders für Werbekampagnen für den guten Zweck.

Das Cannes-Festival 2014 ist vorbei. Die Berge leerer Dom-Perignon-Flaschen vor der Martinez Bar sind zusammengekehrt, alle Kolumnen und Berichte über das gute oder vermeintlich nur mäßige Abschneiden deutscher Agenturen sind geschrieben. Britta Poetzsch hob vergangenen Donnerstag an dieser Stelle unter der Schlagzeile „Werbung für eine bessere Welt” die Bedeutung von sozialem Engagement der Werbeindustrie und der damit verbundenen Hoffnung auf eine bessere Platzierung in Beliebtheits- und sonstigen Rankings hervor.

Dies scheint immer wieder ein beliebter Anlass für hitzige Positionskämpfe zu sein. Denn der Vorwurf, das vermeintlich großritterliche Engagement geschehe nur, um sich bei branchenüblichen Siegerehrungen mit Lametta zu behängen, ist ebenso Thema wie die Nachhaltigkeit solcher Engagements.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk.

Abseits der Partys wohlwollender Filmmogule und jenseits der Massen von Leuten mit möglichst vielen Einlassbändchen am Handgelenk liegt mein persönlicher Grund, jedes Jahr nach Cannes zu reisen. Es ist ein Ort, der die Kraft hat, nicht nur Lebensläufe und Karrieren zu beschleunigen - sondern der auch jene Marienwunder möglich macht, von denen so ziemlich jeder Mensch träumt, der noch Träume hat.

Mein Vorstandskollege Michael Trautmann hatte einen solchen Traum. Seit vier Jahren arbeitet er im Verbund mit Freunden an der Realisierung der Domain-Endung .hiv im Kampf gegen Aids. Die Idee: Jedes Unternehmen, das seine Internetadresse mit der Endung .hiv versieht, wird so automatisch zum Unterstützer von Aids-Projekten in aller Welt. „.hiv” ist ein Mammutprojekt: Um eine solche Toplevel-Domain zu bekommen, braucht es einen sehr langen Atem und Helfer auf der ganzen Welt.

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, Michael ist drei Tage in Cannes. Bei einer Podiumsdiskussion mit U2-Frontmann Bono, der sein Projekt „(RED)” vorstellte, fasste sich mein Partner ein Herz und das Mikrofon - und bot Bono an, der Erste zu sein, der red.hiv nutzt.

Die euphorische Reaktion des Publikums und Bonos Zustimmung werden nicht nur diese 90 Sekunden für Michael unvergesslich machen. Sondern auch den Ort: Great stories start in Cannes.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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