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18.08.2014

21:46 Uhr

Der Werber-Rat

Produktionsfaktor Präsenz

VonMarianne Heiß

Von Zeit zu Zeit sollten auch Manager eine Rast einlegen und vor allem das Handy einmal weglassen. Die „handyfreie Zeit“ im Urlaub muss nicht nur ein Sommermärchen bleiben.

Smartphone ausschalten im Urlaub? Nicht nur mit gutem Gewissen möglich, sondern auch mal nötig, rät Marianne Heiß. dpa

Smartphone ausschalten im Urlaub? Nicht nur mit gutem Gewissen möglich, sondern auch mal nötig, rät Marianne Heiß.

Diese Sommerferien habe ich es einfach mal versucht: Ich habe mein Smartphone abgeschaltet und es im Hotelzimmer gelassen. Doppelt genäht sozusagen. Und dabei fiel mir auf: Viele andere Urlauber haben es ebenso gemacht. Kaum jemand am Pool und am Strand, der sein Smartphone dabeihatte. Und statt der Kindles und anderer E-Book-Reader lagen wieder deutlich mehr echte Bücher neben den Strandliegen. Gerätefrei - der Trend des Sommers?

Fast scheint es so, als ob es zu einem neuen Statussymbol geworden ist, das Smartphone auszuschalten und wegzulegen - jedenfalls in Managementkreisen. Ein Understatement, um sich abzugrenzen von der Masse, die immer und rund um die Uhr erreichbar ist und die zugleich ständig Botschaften und Bilder versendet und dabei doch glatt den Blick verliert für das, was sie gerade umgibt - bezaubernde Altstadtgassen etwa oder ein Renaissance-Palast. Oder einfach das bunte Treiben der Menschen.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Das „Handy aus“ soll wohl auch zeigen, dass man sich diszipliniert. Dass man der Sucht nach der 24/7-Kommunikation entfliehen kann - zumindest im Urlaub. Dass man sich strukturiert. Dass man durchaus in der Lage ist, das Private zu schützen. Jedenfalls hin und wieder. Und dass man schon deshalb seinen Job ziemlich gut im Griff hat.

So einfach ist es leider nicht. Die Grenzen zwischen Beruflichem und Privaten sind fließender geworden, gerade in kreativen Berufen wie bei den Werbeagenturen. Wir leben von der Kommunikation, also müssen wir auch stets kommunikationsbereit sein - schnell, umfassend und präzise. Die ständige Präsenz ist in der globalisierten Wirtschaft, der die Zeitzonen egal sind, zum Produktionsfaktor geworden.

Und trotzdem: Muße hilft - in den Ferien, am Wochenende, am Abend. Um neue Dinge zu erkennen und besondere Situationen zu erleben, um unbeschwerte Momente genießen zu können. Und um, im Wortsinn, auch mal abzuschalten. Von Petrarca stammt der Satz: „Wenn der Mensch zur Ruhe gekommen ist, dann wirkt er.“ Bleibt zu hoffen, dass die "handyfreie Zeit" im Urlaub nicht nur ein Sommermärchen war und die Muße in unserer Leistungsgesellschaft wieder einen besonderen Stellenwert bekommt.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Die Autorin ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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