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02.06.2014

18:26 Uhr

Der Werber-Rat

Produktive Sinnsuche

VonMarianne Heiß

Junge Kollegen definieren heute neu, was sie unter Karriere verstehen. Die Generation Y ist fleißig, gebildet und kreativ – und sie setzt der Arbeit bewusst Grenzen. Die Agenturen sollten sich darauf einstellen.

Arbeiten im Großraumbüro: Die Präsenzkultur in Agenturen und Unternehmen hat ausgedient. dpa

Arbeiten im Großraumbüro: Die Präsenzkultur in Agenturen und Unternehmen hat ausgedient.

Uns trennen nur zehn Jahre und doch fühlt es sich an, als ob wir ganz unterschiedlichen Generationen entstammen. Ich bin ihr Coach, Mentor, spreche mit ihr über ihre berufliche Entwicklung. Sie ist meine kleine Cousine, geboren in den 80er-Jahren, ausgestattet mit all den Merkmalen, welche wir der Generation Y zuschreiben. Statussymbole und gesellschaftliches Prestige sind ihnen ziemlich egal, dem Beruf wird längst nicht mehr alles untergeordnet. Mein Eindruck: Die Generation will zwar Karriere machen und gutes Geld verdienen. Dafür fehlt es aber oft an der Bereitschaft, die nötigen Anstrengungen in Kauf zu nehmen.

Erleben wir eine Generation, die Karriere neu definiert? Diese Frage beschäftigt viele Unternehmen, gerade im kreativen Bereich. Das Potenzial an Talenten sinkt, wegen des demografischen Wandels. Zugleich konkurrieren immer mehr Internetfirmen, Start-ups und eben auch Werbeagenturen um die Generation Y.

Deren Mitglieder sind gut und international ausgebildet, sprechen mehrere Sprachen, gelten als selbstbewusst. Und sie haben eine andere Haltung, mit der sie die Lebens- und Arbeitswelt nachhaltig beeinflussen werden. Die Frauen und Männer der Generation Y trennen die Arbeitszeit deutlich von ihrer Freizeit, sie wollen keine Büro-E-Mails am Abend bearbeiten und am Wochenende für ihren Arbeitgeber nicht ständig erreichbar sein.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Die Generation Y achtet ganz selbstverständlich auf ihre Work-Life-Balance. Das ist keineswegs leistungsfeindlich. Aber ein anderer Lebensentwurf. Für die Generation Y rückt die Freude an der Arbeit ins Zentrum, die kreative Herausforderung, die Teamarbeit. Den Rahmen dafür müssen die Unternehmen setzen.

Die Präsenzkultur in Agenturen und Unternehmen hat ausgedient. Eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Wir werden Kulturen schaffen müssen, die Erfolg in allen Lebensbereichen möglich machen, nicht nur im Job. Flexible Arbeitszeiten und Sabbaticals werden zur Regel, den Ausgleich zum Job sucht die Generation Y in Extremsituationen. Etwa auf einer Pilgerreise, 800 Kilometer zu Fuß den Jakobsweg entlang, auf der Suche nach Selbstverwirklichung und dem Sinn des Lebens. So wie es meine Cousine gemacht hat.

Die Autorin ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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