Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.08.2012

09:44 Uhr

Der Werber-Rat

Pussy Riot - bald ein globales Modelabel?

VonFrank Dopheide

Vier Mädchen mit Skimasken, ein paar Sekunden laute Musik und ein unverhältnismäßig hartes Gerichtsurteil machen aus einer Punkband eine weltbekannte Marke. Wie geht das?

Die Sängerinnen der Band Pussy Riot. dapd

Die Sängerinnen der Band Pussy Riot.

Ein vielversprechender Markenname ist ein guter Anfang. Der "Pussy-Aufstand" ist merkfähig und bildhaft. Und die Truppe hält, was ihr Name verspricht. 20-jährige Mädchen, wild entschlossen bis in die gefärbten Haarspitzen. Sie vermitteln hochattraktive Markenwerte: Freiheit, Mut, Kreativität und Risikofreude. Che Guevaras Enkelinnen: jung, attraktiv, kreativ und kämpferisch. Eine Demokratiebewegung in ihrer schönsten Form. Es fällt leicht, sich ihnen anzuschließen.

Zur Profilierung wetzt sich die Marke an einem kantigen Feindbild - Wladimir Putin: emotionslos, machtbesessen und Großmeister der Machoposen. Der Präsident blieb sich treu, ließ die Girlgroup in Ketten legen und wie Massenmörder vorführen. Diese Demonstration von Macht und Willkür wurde zum Bild, das um die Welt ging und eine gewaltige Sympathiewelle schuf. Hier wurde der Wert eines starken Markenzeichens unübersehbar: Die farbige Skimaske wurde zum modischen Erkennungszeichen grenzenloser Solidarität. Ein wunderbarer Werbeträger, um Zugehörigkeit zu beweisen und selbst Teil der neuen Marke zu werden.

Frank Dopheide, Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Pressebild

Frank Dopheide, Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Nun geht es für die Band um alles. Sie muss auf dem Fundament globaler Bekanntheit die Marke schützen und mit Leben füllen. Gelingt ihr das, hat sie beste Voraussetzungen, ihre Kriegskasse und ihre Truppen kontinuierlich aufzufüllen - was möglicherweise kriegsentscheidend ist.

Was ist zu tun? Pussy Riot muss für zweitausend Euro die Wort- und Bildmarke eintragen, Kooperationen mit anderen Herstellern eingehen und pro verkauftem Produkt bis zu dreißig Prozent Lizenzgebühren kassieren. Es würde ihre Bewegung beflügeln, wenn sie ein Lied einspielen, das weniger Kriegsgebrüll und mehr Hymne ist.

Pussy Riot hat außerdem das Potenzial, zu einem globalen Modelabel zu werden - und vieles mehr. Die Marke ist revolutionär, jung, kreativ und kämpferisch, das funktioniert auch Kategorie übergreifend. Und was immer sie tun, verglichen mit ihnen sieht Putin alt aus. Pussy Riot wäre die erste Demokratiebewegung, die ich per Shoppingtüte unterstützen kann. Das wäre ja auch irgendwie revolutionär. Oder um es mit den Worten der Mädchenband zu schreien: "alles für die Revolution".

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Riha

29.08.2012, 10:18 Uhr

Super Artikel.
Das kann man nicht besser schreiben.

WobleibtderVerstand

29.08.2012, 10:46 Uhr

Wie naiv... Revolution? Bekanntheit - ja, Geld - auch. Um welchen Preis? Die "Band" versuchen schon seit Jahren mit abartigen Methoden den Putin zu Beleidigen. Nichts passiert... Dann die Idee - einfach die Mehrheit der Russen in ihren religiösen Gefühlen zu beleidigen. Und siehe da... die Helden.
Warum versuchten die Anwälte von Pussys die Bewährungsstrafe oder gar eine Geldstrafe aktiv zu verhindern? Ja sonst wären die in einer Woche schon vergessen. Der Artikel ist sehr lau.

Oelblase

29.08.2012, 10:50 Uhr

"Der "Pussy-Aufstand" ist merkfähig und bildhaft."

In Wahrheit ist es ein Schwulen-Aufstand gegen Putin.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×