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16.04.2014

13:43 Uhr

Der Werber-Rat

Rasenmähen mit Monogramm

VonArmin Jochum

Viele Kollegen glauben, unser Berufsstand werde unter Wert verkauft. Ich aber bin von ganzem Herzen Werber, denn es ist ein wunderbarer Job, in dem man viel bewegen kann. Was den Reiz des Berufes ausmacht.

Werber, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben, sind immer und überall auf der Suche nach der nächsten guten Idee – auch beim Rasenmähen. pr

Werber, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben, sind immer und überall auf der Suche nach der nächsten guten Idee – auch beim Rasenmähen.

Neulich, ich komme gerade vom Rasenmähen zur Tür herein, bot ich allerlei Anlass zur Schelte. Der ganze Dreck in der schönen Schweden-Küche. Wieso das überhaupt sein müsse, ob ich mich nicht zum Nachdenken in mein kleines Schreibrevier unter der Treppe zurückziehen könne? Sie müssen wissen, ich bin ein einfacher Werber. Und doch versuche ich jeden Tag, die Welt aus den Angeln zu heben. In der Hoffnung, dass mir irgendwas einfällt, das meine Kunden weiterbringt. Nicht mehr, nicht weniger.

Kollegen finden, wir verkaufen unseren Berufsstand unter Wert – sie sehen sich eher in der Nähe von Unternehmensberatern mit monogrammbestickten Hemden. Ich bin von ganzem Herzen Werber. Ein wunderbarer Beruf!

Gut gemachte Werbung zeigt Wirkung: Sie gibt Marken nicht nur Sichtbarkeit, sondern Bedeutung. Und den Leuten Orientierung. Passt die Marke zu mir? Zeigt die Marke Haltung? Wie gehen die mit Kritik um? Gute Werbung ist heute viel mehr als Werbung.

Sie hat nämlich immer eine Idee, die die Kraft hat, Dinge zu verändern. Die Meinung oder Einstellung gegenüber einem Unternehmen, einer Dienstleistung oder einem Produkt. Manchmal ist eine Idee so stark, dass sie auch Einfluss auf die Produktentwicklung hat.

Gutes Beispiel hierfür: ein Hammer, beworben von einem Baumarkt. Nun werden Sie sich zu Recht fragen, wie schlau es ist, für einen Hammer Werbung zu machen. Den hat doch wirklich jeder zu Hause in der Besteckschublade liegen. Das Besondere: Es ist der erste Hammer in der Geschichte der Werbung, der eine Geschichte erzählt: Ich sehe, wie ein tschechischer BMP1-Schützenpanzer eingeschmolzen wird. Kommentiert von einem Panzerkommandeur, der den ganzen Wahnsinn nicht versteht.

Am Ende wurden aus dem Kriegsgerät 7.000 Hämmer aus massivem Panzerstahl, verkauft für 25 Euro pro Stück. Nach kürzester Zeit ausverkauft und zum vielfachen Preis auf den bekannten Verkaufsplattformen gehandelt. Ein Hammer mit Herkunft ist nicht nur eine Geschichte, die man gern weitererzählt. So ein Hammer ist ein erstklassiger Botschafter für die Marke. In solchen Momenten bin ich neidisch, dass mir das nicht eingefallen ist. Und stolz, Werber zu sein.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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