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07.10.2013

20:19 Uhr

Der Werber-Rat

Ruckediku, Bewegung im Schuh

VonInes Imdahl

Frauen und Schuhe, das ist eine besondere Beziehung. Tiefenpsychologisch ist die Wahl des Schuhwerks mit der Partnerwahl vergleichbar – wie es schon im Märchen von Aschenputtel geschah.

Frauen haben ein besonderes Verhältnis zu Schuhen, findet Ines Imdahl. dpa

Frauen haben ein besonderes Verhältnis zu Schuhen, findet Ines Imdahl.

Dass viele Frauen ein besonderes Verhältnis zu Schuhen haben, ist kein Geheimnis. Der Grund hierfür liegt jedoch tiefer als in reiner Kauflust. Nicht nur, dass sich passende Schuhe für jedweden Figur- und Gemütszustand finden. Schuhe stellen psychologisch auch Weggefährten dar. Manchmal sind sie Wegbereiter für schwierige oder steinige Strecken. Ein anderes Mal werden sie selbst zu Herausforderungen auf hohen Hacken. Sie symbolisieren auch, wie Frauen gerade durchs Leben gehen wollen: bodenständig oder ganz „abgehoben“.

Tiefenpsychologisch ist die Wahl der Wegbegleitung mit der Partnerwahl vergleichbar. Als Volksweisheit ist das schon im Märchen vom Aschenputtel verankert: Der Prinz wählt die Frau, der der Schuh passt. Mit der Anprobe prüft er sie auf ihre Tauglichkeit als Wegbegleiterin und wählt letztlich die, die sich nichts vom Fuß „abschneiden“ muss.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Mit dem Schuhkauf definieren Frauen heute ebenfalls symbolisch „Partner“ für bestimmte Wegstrecken ihres Lebens. Dabei gibt es „One-night-stands“ für einen einzigen Auftritt genauso wie Lieblingsschuhe, die nach Verschleiß gerne in der gleichen Form und Farbe nachgekauft werden. Gerade Frauen in langjährigen Partnerschaften verlagern ihre „Flirts“ auf Schuhe: Probeweise gehen sie fremde Wege auf neuen Schuhen, während sie gleichzeitig treu zu ihrem Partner stehen. Diese oftmals unbewusste „Probewahl“ ist eine Stabilisierung für die eigene Partnerschaft.

Die Tamaris-Kampagne greift gekonnt die Doppelfunktion zwischen Stabilität und Bewegung auf. Die Plakate zeigen einfach nur einen Schuh - hochkant. Damit kann sich keine Frau fortbewegen. Der Tamaris-Schuh steht für das „Bleiben“. Gleichzeitig „bewegt“ sich sogar auf dem Plakat der Tamaris-Anhänger am Schuh. Wahrnehmungspsychologisch müsste er jeden Moment nach unten baumeln. Er stellt die Bewegung innerhalb der Stabilität dar. Quasi „Gehen, um zu bleiben“ - beim Partner.

Diese „Bewegungsmöglichkeiten“ innerhalb einer Partnerschaft sollten wie im Märchen aus psychologischer Sicht nicht „abgeschnitten“ werden. Denn sie sind oftmals Garant für die Stabilisierung gemeinsamer, schmerzfreier, weil „unblutiger“ Wege.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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