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06.11.2012

16:10 Uhr

Der Werber-Rat

„Sandy“ erzeugt Kreativität

Stresstest für den Westen: Hurrikan „Sandy“ stellt die Stabilität der neuen Welt und besonders der USA auf die Probe. Doch der Umgang mit Naturkatastrophen ist auch eine Werbung für die Belastbarkeit und Kreativität.

Hurrikan „Sandy“ lässt die Menschen enger zusammenrücken. Reuters

Hurrikan „Sandy“ lässt die Menschen enger zusammenrücken.

Die Erleichterung war den Sprechern der Tagesthemen anzumerken, als sie am vergangenen Mittwoch verkündeten, die New Yorker Börse habe wieder geöffnet. Die Schließung der Wall Street wegen Hurrikan „Sandy“ hatte keine Panik ausgelöst, war aber doch mit einer ordentlichen Portion Nervosität verbunden. Frei nach Frank Sinatra heißt es: „If you make it there, you can make it anywhere“. Denn die Millionenstadt im Osten der USA ist als Finanzmetropole und Künstlerhauptstadt vielleicht das Symbol der Neuen Welt. Die Toleranz von unterschiedlichsten Lebensstilen lässt New York zum Imageträger der westlichen Freiheitsvorstellung werden. „Sandy“ zeigt, dass die Songzeile eine zweite Bedeutung hat: Wenn man den Westen dort in New York zerstören kann, dann vielleicht auch überall?

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Auch deswegen haben sich die Bilder des 11. September in unser Gedächtnis gebrannt. Der Sturz des World Trade Center war mehr als ein Anschlag. Es war der gelungenste Versuch, das Selbstbild des Westens ins Wanken zu bringen. Seither wächst der Druck auf die USA nicht nur durch erstarkende islamische Bewegungen, sondern auch durch Wirtschaftsriesen wie China. Beide stellen Größe und Image des westlichen Leitbilds infrage.

Vor diesem Hintergrund darf „Sandy“ durchaus als Stresstest für die USA gewertet werden. Stark und gefährlich sorgte der Sturm bereits im Vorfeld für Wirbel. Menschen wurden evakuiert – Schulen, Behörden und auch die Börse vorsorglich geschlossen. Leider gab es dennoch Tote. Und auf dem Filmschiff Bounty, auch bekannt als „Black Pearl“ aus dem „Fluch der Karibik“, wird wegen „Sandy“ wohl nie mehr eine Meuterei stattfinden.

Am Ende ist aber doch alles glimpflicher verlaufen als gedacht. Zwar hatte die Wall Street Area 30. bis 39. Straße tagelang keinen Strom und kein fließendes Wasser, aber die Menschen haben erstaunlich gelassen und kreativ reagiert. Trotz Stockfinsternis gab es kaum Übergriffe und Mobiltelefone wurden an USB-Schnittstellen mit Hilfe von kleinen Kurbelradios per Hand aufgeladen. Von allen, einschließlich der Wahlkämpfer, wird Zusammenhalt demonstriert.

In diesem Sinne ist die Bounty ein symbolisches Opfer, das beweist, es handelte sich um einen ernsthaften Test. Die Handhabung des Sturms aber kann als Werbung für das westliche Ideal gelten und demonstriert die Belastbarkeit unter Stress – auch gegenüber Druck ausübenden Mächten.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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