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09.04.2014

09:34 Uhr

Der Werber-Rat

Sanft entschlafen

VonTorben Bo Hansen

Nach 33 Jahren endet dieses Jahr die Sendung „Wetten dass...?“. Das einst größte TV-Lagerfeuer der Nation flackert allerdings schon lange nicht mehr richtig. Eine Lücke tut sich auf – die Chance für ein neues Format?

Moderator Markus Lanz in Köln. Als er die Sendung „Wetten dass..?“ übernahm, war sie bereits ein Zombie. dpa

Moderator Markus Lanz in Köln. Als er die Sendung „Wetten dass..?“ übernahm, war sie bereits ein Zombie.

Ende 2014 erlöschen die Scheinwerfer - das Schicksal von „Wetten dass..?“ ist besiegelt. So etwas kann jede erfolgreiche Marke ereilen: Anfangs schleichend, später immer rasanter verliert sie erst ihre Bedeutung, dann ihre Anhänger.

Nach 33 Jahren endet eine Ära deutscher TV-Unterhaltung: Was Frank Elstner genial erdachte und Thomas Gottschalk zur Legende machte, darf Markus Lanz zu Grabe tragen. „Dann hätte ich das Ding auch gleich selbst an die Wand fahren können“, bemüht sich Gottschalk um die Deutungshoheit. Und recht hat er: Die Sendung war bereits ein Zombie, als Lanz sie übernahm. Große Quotenerfolge? Lange passé. Die Show war aus der Zeit gefallen, ihre wahre Bestimmung irgendwann unterwegs sanft entschlafen. Und es gab wohl niemanden, der darauf bestanden hätte, ihr neues Leben einzuhauchen.

Markenverantwortliche können Parallelen ziehen: Wer nicht weiß, wozu seine Marke im Leben ihrer Anhänger eigentlich da ist, verliert die Orientierung. Symptomatisch das Gewese der ZDF-Verantwortlichen um die Suche nach dem richtigen Showmaster. Hielten sie "Wetten dass..?" wirklich nur für eine Personality-Show? Tatsächlich war es mal das größte Lagerfeuer der Nation. Gesellschaftlicher Kleber, manchmal freilich auch Kleister.

Nicht nur die Familie, auch Freunde, Kollegen, Pendler in der Bahn hatten ein verbindendes Thema, und alle teilten das Wissen darum. Unvergessen der Kraftprotz, der eine Wärmflasche aufblies, bis sie platzte, oder der „Titanic“-Redakteur, der Buntstifte am Geschmack erkennen wollte. Alles garniert mit Musik- und Filmpremieren großer Stars.

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Ein bisschen schade also, dass diese fluffig-leichte Form gesellschaftlichen Zusammenhalts nicht mehr von dieser Institution erzeugt wird. Neue Anbieter haben sich jeweils Teile der Beute gesichert: Youtube hat die skurrileren Stunts, „Deutschland sucht den Superstar“ die einträglichere Mitmach-Mechanik mit dem grelleren Drei-Minuten-Ruhm für jeden Hanswurst. Stefan Raab ist der schlagkräftigere Entertainer.

Doch die Summe der Teile ergibt jetzt weniger Sinn als vorher das Ganze. Ein Vakuum bleibt. Das ist auch eine Chance - für ein neues, verbindendes Format. Für ein zeitgemäßes Lagerfeuer.

Der Autor:

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.04.2014, 10:31 Uhr

Warum geht das ZDF nicht ein einziges Mal das Risiko ein, den selbstverliebten Lanz sofort in Rente zu schicken und dafür (für die drei ausstehenden Sendungen) die Herren Joko und Klaas zu engagieren (das verspricht wenigstens lustige Sendungen und kein Schlafwagen-TV).

Am Ende der dritten Sendung können die Zuseher per TED abstimmen, ob Joko und Klaas weitermachen sollen oder die Sendung beerdigt werden kann.

Account gelöscht!

09.04.2014, 10:40 Uhr

Ich kenne die beiden Herren nicht.

Ich hoffe nur, dass sich das ZDF weiterhin etwas vom Verblödungs-TV- ala Container, Dschungelcamp, Depp sucht irgend etwas etc. absetzt.

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