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09.10.2014

08:23 Uhr

Der Werber-Rat

Selbstgeißelung für die Werbebranche

VonBritta Poetzsch

Bei einer Preisverleihung zog der amerikanische Comedian Jerry Seinfeld ordentlich über die Werbebranche her. Hat er Recht? Bald nicht mehr – die kundenverführende, ja auch irreführende Werbung ist ein Auslaufmodell.

Hält anscheinend nichts von Werbern: Comedian Jerry Seinfeld. AFP

Hält anscheinend nichts von Werbern: Comedian Jerry Seinfeld.

Werber sind ja im Kern Masochisten. Seit Jahren besetzen sie die untersten Ränge der Studie, die das Ansehen von Berufen untersucht. Nach den Werbern kommen nur noch die Politiker. Es gibt ein dramatisches Nachwuchsproblem. Vor allem, weil die viel besprochene Generation Y wirklich nach dem „Warum“ fragt. Warum, fragt sich diese Generation, soll ich mich auch an den Wochenenden selbst ausbeuten? Schließlich operiere ich nicht am offenen Herzen, sondern mache Auftragskommunikation zum Wohle der Absatzförderung.

Bei einer internationalen Preisverleihung der Kommunikationsbranche in New York wurde der Comedian Jerry Seinfeld, bekannt aus der Serie Seinfeld, ausgezeichnet. Der nutzte die Gelegenheit, um den Werbemasochisten so richtig die Neunschwänzige über das Fell zu ziehen. Er sagte, gewürzt mit beißender Ironie: „Ich will nur das Commercial genießen – auch wenn wir wissen, das Produkt wird Mist sein. Und ich denke, sein Leben damit zu verbringen, hart arbeitenden Menschen das Geld mit nutzlosen, qualitativ schlechten und falsch dargestellten Produkten und Diensten aus den Taschen zu ziehen, ist eine exzellente Verwendung der eigenen Energie.“

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

So, das sind jetzt aber wirklich genug Peitschenschläge auf den eigenen Rücken. Denn die Werbung, wie sie von Seinfeld gegeißelt wurde, ist ja ein Auslaufmodell. Der Plan, mit viel Mediageld Dinge über ein Produkt zu erzählen, die einfach nicht wahr sind, kann ja gar nicht mehr aufgehen. Kommt ja eh raus. Wird ein Shitstorm draus. Ist auch richtig teuer. Erfolgreiche Werbung stellt den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Sie muss dafür sorgen, dass sich Menschen gern und von sich aus mit der Marke oder dem Produkt beschäftigen. Sie muss überraschen, unterhalten, relevant sein. Solche Kommunikation zu erarbeiten, das ist kein bisschen masochistisch. Das ist sogar eine ganz großartige Aufgabe.

Die Autorin:

Britta Poetzsch ist Head of Lifestyle der Agenturgruppe Serviceplan. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im Wechsel über Kommunikation schreiben.

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