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21.05.2013

11:37 Uhr

Der Werber-Rat

Selbstlos egoistisch

VonBodo Hombach

Das Weltklima ist ein Jahrhundertproblem. Doch trotz voller Straßen, veralteter Kühlschränke und Ölbrenner: Das globale Dilemma wird durch uns Deutsche nur relativ wenig verschärft.

Smog in Chinas Hauptstadt Peking. dpa

Smog in Chinas Hauptstadt Peking.

Hier leben knapp 80 Millionen Menschen. In China und Indien sind es zusammen fast zwei Milliarden. Die wollen nicht minder komfortabel leben wie wir. Das bedeutet einen steil anwachsenden Energiebedarf und Aufwärtskurven für den CO2-Ausstoß, Feinstaub und Raubbau an Ressourcen. Wenn wir hier neue Umweltsünden vermeiden, fühlen wir uns politisch korrekt und ethisch geliftet. Ökologie hat vielfach Oberwasser über Ökonomie gewonnen. Das ändert jedoch fast nichts an der globalen Dimension des Problems. Wenn wir zartfühlend auf die Erschließung heimischen Schiefergases verzichten, haben wir für die Welt nichts getan. Ein mustergültig umweltbewusstes Land wie Schweden passt mit seiner gesamten Bevölkerung dreimal in die chinesische Hauptstadt.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Angesichts so asymmetrischer Proportionen: Müssen wir fatalistisch das allgemeine Ende erwarten?

Wir müssen nicht. Ein rohstoffarmes Land wie das unsrige hat gewaltige Energiereserven. Sie stecken in den Köpfen, in guten Schulen und Universitäten, in effizienter Ausbildung von Facharbeitern, in optimal ausgestatteten Labors. Sie stecken auch in den Irrtümern und schmerzlich erworbenen Erkenntnissen unserer eigenen Fehlergeschichte.

Es wäre wohl unsere größte Umweltsünde, nichts gegen die Fehlentwicklungen in Mittel- und Ostasien erfunden zu haben. Vielleicht sollten wir ihnen intelligente und nachhaltige Lösungen ganz egoistisch schenken (gegen Verkaufen hab’ ich selbstverständlich auch nichts!), denn sie lösen dann - im globalen Beisammensein - auch unsere eigenen.

2010 kamen geschätzte 1,2 Millionen Chinesen durch Smog in den Ballungsräumen um. Welch ein Markt für Erfindungen aus Regionen, die das Thema "Smog" schon hinter sich haben!

In Chinas Boden lagern annähernd 36 Billionen Kubikmeter Schiefergas. Kein grün-deutscher Missionseifer wird verhindern können, dass sie angezapft werden. Wir könnten aber helfen, dass statt einer schädlichen eine unschädliche Methode genutzt wird.

Deren Entwicklung dürfte man in unserem Lande allerdings nicht phobisch verhindern wollen.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

21.05.2013, 14:27 Uhr

Sehr richtig, was in dem Artikel gesagt wird. Ich würde sogar noch einen Schritt gehen. China hat für sich entschieden, neue Atomkraftwerke zu bauen. Statt kopfschüttelnd zuzusehen oder wegzusehen -- warum bauen WIR dort keine neuen Atomkraftwerke? Wir haben (noch) das Know-How, diese Kraftwerke auf einen Sicherheitsstandard zu bauen, der mindestens so hoch ist wie der der Chinesen. Wir könnten ihnen also erstens helfen, und zweitens dabei Gewinne erwirtschaften, und diese wieder für Nützliches zu Hause verwenden, von mir aus in den Umweltschutz. Das ist kein Widerspruch, da wie gesagt China seine Entscheidung pro Atomkraft schon getroffen hat.

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