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27.08.2015

21:29 Uhr

Der Werber-Rat

Sex sells – oder doch nicht?

VonBritta Poetzsch

Alte Werbeweisheit: Babys, Hunde und Sex. Damit bekommt man doch alles verkauft. Jetzt hat eine neue Studie herausgefunden: Sex als verkaufsfördernde Zutat für eine Kampagne ist der größte Fehler der Werbegeschichte.

Sind alle Supermodels jetzt arbeitslos? AFP

Models auf dem Laufsteg

Sind alle Supermodels jetzt arbeitslos?

Alte Werbeweisheit: Babys, Hunde und Sex. Damit bekommt man doch alles verkauft. Zumindest Babys und Hunde dürfen in dieser Liste weiter genannt werden. Jetzt hat die Universität Ohio eine neue Studie herausgegeben, die beweist: Sex als verkaufsfördernde Zutat für eine Kampagne ist einer der größten Fehler der Werbegeschichte.

Demnach werden Konsumenten von sexuellen Inhalten in Kampagnen derartig abgelenkt, dass keiner mehr auf das Logo guckt. Evolutionsbiologisch läuft das so ab: Fortpflanzung ist etwas, was in uns sehr tief einprogrammiert ist. Wir sind so stark daran interessiert, dass wir für weitere Informationsverarbeitung keine Kapazitäten mehr haben. Der Neandertaler in uns lässt grüßen.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

Okay, was heißt das jetzt? Die gesamte Modebranche kann eigentlich einpacken. Die berühmte Calvin-Klein-Kampagne hätte sich Herr Klein sparen können. Sein Logo hat demnach keiner gesehen. All die verführerischen Engel für Victoria-Secrets-Wäsche erzeugen zwar Autounfälle, aber keine Abverkäufe. David Beckham muss sich für H&M nicht mehr frei machen und den Zustand seiner Bauchmuskulatur vorzeigen (geseufzte Anmerkung der Autorin: schade!). Vor Arbeitsämtern bilden sich nach dieser Erkenntnis lange Schlangen von Supermodels, die sich einen neuen Job suchen müssen. Was macht man aus der Fähigkeit, einen unwiderstehlichen Schmollmund zu besitzen? Oder das perfekte Sixpack? Oder einen sensationellen Po? Was wird aus Gisele, Naomi, und alle den anderen?

Doch es naht Rettung. Eine andere Studie beweist: Erotische Werbung macht immer dann Sinn, wenn das Produkt auch mit Erotik zu tun hat.

Und warum parfümieren wir uns? Wozu brauchen wir Mode? Ach, am Ende bleiben wir doch alle Tiere. Überzogen von Zivilisationslack, der uns mühsam zusammenhält.

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director bei der Agentur Ogilvy.

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