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03.04.2013

07:55 Uhr

Der Werber-Rat

Sind Manager noch zu retten?

VonFrank Dopheide

Selbst glänzende Zahlen können das Image der deutschen Unternehmensführer nicht mehr aufpolieren. Sie sind in der Beliebtheit ganz unten angekommen. Dabei hätten sie dem Land einiges zu sagen.

Ihre Reputation fällt ins Bodenlose: Manager. Woran liegt das? dpa

Ihre Reputation fällt ins Bodenlose: Manager. Woran liegt das?

Einst war die stolzgeschwellte Brust ihr Markenzeichen. Nun droht „Manager“ zum Unwort des Jahres zu werden. Im GfK Vertrauensranking taumeln sie niedergeschlagen auf dem vorletzten Platz. Wer kann ein Unternehmen führen, wenn ihm acht von zehn Menschen nicht vertrauen?

Die aktuelle Studie der Agentur Ketchum Pleon zeigt: Die Reputation fällt ins Bodenlose und mangelhafte Führungsqualität wird mit dem Einkaufskorb bestraft. Jeder zweite Deutsche hat bereits Unternehmen aufgrund mangelhafter Führung boykottiert. Manager-Bashing wird zum Volkssport.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Dabei sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Finanzminister Schäuble schwimmt im frisch verdienten Geld. Der größte Steuertopf aller Zeiten ist randvoll. Das Handelsblatt widmet den Gewinnmaschinen Winterkorn, Appel und Rorsted ihre Titelseite und summiert den Gewinn der Dax-30-Konzerne seitenlang auf eindrucksvolle 65 Milliarden Euro. Reitzle, Dekkers, Enders, Reithofer steuern ihre Tanker trotz Finanzbeben und Krisenmodus auf Rekordkurs. Das Gros der Manager macht offensichtlich einen ausgezeichneten Job. Die öffentliche Wahrnehmung ist anders. Auch der millionenschwere Gehaltsverzicht der VW- und Deutsche-Bank-Chefs ändert daran nichts.

Zentraler Grund ist die schlechte Kommunikation der Führungskräfte, sagt die Studie. Dass Manager gut kommunizieren, glauben mittlerweile nur noch dreiundzwanzig Prozent der Bundesbürger. Zwölf Prozent weniger als im Jahr zuvor. Dabei hat jeder Topmanager eine ganze Kommunikationsabteilung randvoll mit Profis an seiner Seite. Dennoch wirken Unternehmen verschlossener und unglaubwürdiger denn je. In den Medien überlassen sie den Politikern, Verbänden und Selbstdarstellern die Meinungsbühne. Kein Topmanager verirrt sich zu Plasberg und Konsorten. Selbstschutz durch Unsichtbarkeit.

Die Stimme der Wirtschaft findet in der Öffentlichkeit kein Gehör. Ihre Protagonisten haben kein Gesicht. So wird bei jedem schwarzen Schaf gleich die ganze Herde mitrasiert. Die Studie rät zu persönlicher Präsenz. Persönlichkeit schützt vor Sippenhaft. Und da selbst glänzende Zahlen nicht mehr für sich selbst sprechen, geben Sie ihnen ein Gesicht. Vertrautheit ist der erste Schritt zum Vertrauen.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (5)

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trh

03.04.2013, 08:57 Uhr

Der Autor schreibt:"Die Stimme der Wirtschaft findet in der Öffentlichkeit kein Gehör" - dafür ist meiner Meinung nach "Die Stimme der Wirtschaft..." über das intransparente Netz der Lobbyisten in der Politik und deren Entscheidungsträgern um so lauter und wird dort wesentlich wirksamer eingesetzt - warum also an die Öffentlichkeit gehen? Um sich Debatten um Führungsqualitäöt und Gehältshöhen zu stellen? Gegen berechtigte Kritik fehlen den Managern hierzu halt die Argumente..

milo

03.04.2013, 09:23 Uhr

Was sollte ein Zetsche wohl zu sagen haben? Wie man den Boersenwert eines Unternehmens drastisch vernichtet? Wie man Chrysler saniert, dadurch die Mutter zum Sanierungsfall macht? Wie man immer qualitativ schlechtere Autos baut? Und wie man trotz all dieser Erfolge auch noch den Vertarg verlaengert bekommt und Millionen verdient? Danke, verzichte.

roximoxi

03.04.2013, 09:24 Uhr

Es ist einfach nur frech wie die deutsche Industrie und ihre Vertreter in der öffentlichen Neid- und Missgunst debatte kritisieret werden. Schliesslich stehen sie für den Erfolg Deutschlands und nicht das Politikerpack, dass sie kritisiert. In Deutschland gibr es Wohlstand nicht wegen, sondern trotz der Politik. Es ist unerträglich wie sich die sogenannte Öffentlichkeit in die rein privaten Interessen der Wirtschaft einmischt. Honecker lässt grüßen. Auswandern ist die beste Lösung weil das bessere Lebensgefühlr i.d.R. mit besserem Einkommen verbunden wird. Den Verantwortungsspiegel lasse ich mir nicht mehr vorhalten weil er ja doch nur eine Rechtfertigung für die langsame Enteignung derer herhält die den ganzen Unsinn finanzieren.

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