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16.02.2015

08:20 Uhr

Der Werber-Rat

Streit als Streik schadet

VonMarianne Heiß

Lufthansa, Germanwings, Deutsche Bahn – die vielen Streiks in Deutschland sind eine Fehlentwicklung. Sie schaden dem Markt und den Marken. Aber auch die Streikenden könnten am Ende mehr verlieren als gewinnen.

An deutschen Flughäfen sah die Anzeigetafel des Öfteren so aus. Fluggäste mag das stören. Doch heißt es, dass in Deutschland zu oft gestreikt wird? dpa

Streik bei Germanwings

An deutschen Flughäfen sah die Anzeigetafel des Öfteren so aus. Fluggäste mag das stören. Doch heißt es, dass in Deutschland zu oft gestreikt wird?

Verlieren Sie auch die Übersicht, wer gerade wann, wo, warum und wofür in Deutschland streikt? Vergangenen Donnerstag und Freitag die Flugzeugführer von Germanwings. Demnächst sicherlich mal wieder die Piloten der Lufthansa. Und auch die Lokführer drohen erneut – vor allem die, die in der Gewerkschaft GDL organisiert sind. Und an irgendeinem Flughafen wird bestimmt der Sicherheitsdienst demnächst wieder die Arbeit niederlegen.

Fast jede Woche ruft eine Gewerkschaft, vorzugsweise im Verkehrssektor, zur Arbeitsniederlegung auf und legt damit das Land teilweise lahm. Ob die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit oder die GDL – beide gebärden sich wie Ständeorganisationen und verkrampfen sich seit Monaten, um ihre Partikularinteressen durchzusetzen. Aber auch eine Großgewerkschaft wie Verdi setzt das Minimax-Prinzip ein: Minimaler Streikaufwand, maximale Störwirkung: Wenn ein paar Dutzend Sicherheitsleute an zwei Airports streiken, gerät der gesamte deutsche Luftverkehr durcheinander.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Mir geht es nicht darum, das Streikrecht infrage zu stellen. Zur Tarifautonomie, zur klassischen Tarifauseinandersetzung gehört auch der Arbeitskampf – aber eben als Ultima Ratio. Die Verhältnismäßigkeit muss garantiert sein. Die aber kann ich nicht erkennen, wenn die Vereinigung Cockpit innerhalb eines knappen Jahres den Lufthansa-Konzern zum elften Mal bestreikt. Oder wenn die GDL die Deutsche Bahn und die Fahrgäste mit tagelangen Arbeitsniederlegungen überzieht – allein, um im Kampf mit einer größeren und konkurrierenden Bahngewerkschaft mehr Macht und Einfluss bei den Bahnbeschäftigten zu erlangen.

Streite um Geschäfts- und Gewerkschaftsstrategien eskalieren zu Streiks. Und die werden immer langwieriger und unberechenbarer. Aus meiner Sicht ist das eine Fehlentwicklung, die in einem hohen Maße den Marken und dem Markt schadet. Zum Markenkern der Lufthansa und der Bahn zählen Zuverlässigkeit, Reisekomfort und, jedenfalls im Prinzip, Pünktlichkeit. Werden diese Versprechungen ausgehöhlt, flüchten die Kunden - zu Airlines wie Easyjet oder Emirates oder in die Fernbusse. Und so schaden die Kleinstgewerkschaften auch ihren eigenen Mitgliedern.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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