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05.10.2015

22:06 Uhr

Der Werber-Rat

Über den Wert von Service

Zeitungen über App-Stores zu beziehen ist nichts neues. Doch mit der App „Blendle“ kann man sich seine eigene Zeitung zusammenstellen lassen. Franziska von Lewinski sieht in diesem Service großes Potenzial.

Service-Apps im Mediengeschäft haben großes Potenzial, findet Franziska von Lewinski. dpa

Zeitungen

Service-Apps im Mediengeschäft haben großes Potenzial, findet Franziska von Lewinski.

Ich habe einen neuen Kiosk entdeckt. Nicht bei mir in der Straße, sondern im Netz. Blendle ist ein sogenannter digitaler Zeitungskiosk, der mir die Möglichkeit bietet, mein eigenes Artikelmenü zusammenzustellen. Ein politisches Stück von „Cicero“, den Lifestyle-Artikel aus der „Brigitte“, Kultur aus dem „Spiegel“ und Wirtschaft aus dem Handelsblatt. Das fühlt sich ein bisschen wie iTunes an: Ich muss nicht das ganze Album kaufen, sondern kann mir hier ganz simpel meinen Lieblings-Infosampler zusammenklicken. Zusätzlich schlägt mir Blendle Artikel vor, die meinen Lesevorlieben entsprechen und nach denen ich sonst sehr lange suchen müsste. Bezahlt wird pro Artikel. In den Niederlanden ist Blendle schon ein großer Erfolg, und auch in Deutschland könnte der Durchbruch gelingen. Denn hier gibt es einen Service, der meinen Gewohnheiten und Vorlieben entgegenkommt. Technologie wird zu meinem persönlichen Kurator. Dafür bezahle ich gerne.

Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt.

Franziska von Lewinski

Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt.

Ein ähnlicher Trend zeigt sich gerade im Lebensmitteleinzelhandel. Immer mehr Menschen bestellen ihre Lebensmittel online. Und lassen sie sich nach Hause bringen. Noch vor wenigen Jahren sind alle Versuche, Lebensmittel online zu verkaufen, gescheitert. Jetzt haben die Anbieter eine wichtige Komponente addiert. Service, den es vorher nicht gab. Sei es, dass ich meine Lebensmittel anhand eines kuratierten Rezeptes bestelle - und mir so das aufwendige Zusammensuchen der Zutaten spare. Oder, dass der Einkauf direkt nach Hause gebracht wird. Wo sonst jeder Cent zählt, zahlen Verbraucher nun gerne einen Zusatzbeitrag.

In den USA haben die Menschen seit jeher Freude daran, guten und neuen Service gut zu bezahlen. Viele Start-ups aus dem Silicon Valley haben darin ihre Erfolgsformel gefunden. Durch die neuen digitalen Servicemöglichkeiten könnte auch hierzulande aus einer Günstig- oder Gratismentalität eine neue Liebe zum Service entstehen.

Die Autorin: Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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