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18.12.2013

19:27 Uhr

Der Werber-Rat

Über die Kunst, Nein zu sagen

VonStefan Kolle

Wer für den nahenden Jahreswechsel noch einen guten Vorsatz braucht, sollte es mal hiermit versuchen: 2014 nicht mehr so oft Ja sagen. Unsere Arbeitswelt hat viel zu viele Ja-Sager hervorgebracht.

Öfter mal nein sagen, hilft die eigenen Kräfte zu erhalten und schützt vorm Burn-out. dpa

Öfter mal nein sagen, hilft die eigenen Kräfte zu erhalten und schützt vorm Burn-out.

Kannst Du das übers Wochenende bearbeiten? Können Sie noch mal 20 Prozent von Ihrem Angebot nachlassen? Ist es okay für Sie, wenn Sie künftig statt alleine zu dritt im Zimmer sitzen? Man fühlt, dass die richtige Antwort auf all diese Fragen vier Buchstaben haben müsste und „Nein“ heißt. Sie hat aber oft trotzdem nur zwei Buchstaben und lautet „Ja“. Die Folge: Man fühlt sich schlecht. Wieso sagt der Mensch nicht einfach öfter Nein?

Im Arbeitsleben bringt vor allem die Angst vor beruflichen Nachteilen Jasager hervor. Man sagt nicht Nein, weil man um seinen Ruf fürchtet - wer möchte schon als Kollegenschwein gelten? Geschäftspartner kommen Kunden entgegen, weil sie fürchten, sonst die längste Zeit deren Dienstleister gewesen zu sein. Die meisten schlagen ihren Chefs keine Bitte ab, weil sie fürchten, sonst irgendwann rauszufliegen.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Nicht auffallen, keine Schwierigkeiten machen, stets zu Diensten sein. In einer Welt, in der der Druck täglich zunimmt, sind das verständliche Reaktionen. Doch gerade in solch einer Welt wird es immer wichtiger, Nein sagen zu können. Es hilft, die eigenen Kräfte zu erhalten, und schützt vorm Burn-out. Nein zu sagen ist aber schwer. Weil der Mensch gemocht werden will. Weil es sich gut anfühlt, gebraucht zu werden. Weil man aus Eitelkeit lieber ein schlechtes Geschäft macht als keines. All das hält einen davon ab, das Neinsagen zu üben.

Es gibt viele Methoden zur Selbsthilfe. Ein Kollege in der Agentur hat es über selbst gemachte „Nein“-Kärtchen geschafft, nicht mehr jeden Job anzunehmen. „Kannst Du den Kunden bitte auch noch betreuen?“ „Warte, da hab ich was für Dich.“ Und freundlich wurde eine Nein-Karte über den Tisch geschoben. Gerade wenn es ums Geld geht, ist Neinsagen überlebenswichtig.

Wer jeden noch so schlecht dotierten Job annimmt, jeder Forderung nachgibt und jeden Preisnachlass gewährt, verliert nicht nur Geld, sondern auch den Respekt seines Gegenübers. Im Zweifelsfall hilft es, zu Verhandlungen jemanden mitzunehmen, der nicht involviert ist und den Part des Neinsagens beherrscht. Sollte für Sie also weder „Rauchen aufgeben“ noch „Sport machen“ als guter Vorsatz infrage kommen, Nein zu sagen tut Ihrer Gesundheit mindestens genauso gut.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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