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06.02.2014

21:41 Uhr

Der Werber-Rat

Unerträgliche Uniformität

VonUli Mayer-Johanssen

In den Stadtzentren und auf den Flaniermeilen deutscher Städte verdrängen Handelsketten wie Saturn, H&M, Rossmann oder McPaper zunehmend den Einzelhandel. Individualität: Fehlanzeige.

Einkaufstüten in Hamburg: Schon 1992 bezeichnete der französische Anthropologe Marc Augé die Shoppingmall als sogenannten „Nicht-Ort“, weil sie keine Geschichte besäße, keine Relation und keine Identität. dpa

Einkaufstüten in Hamburg: Schon 1992 bezeichnete der französische Anthropologe Marc Augé die Shoppingmall als sogenannten „Nicht-Ort“, weil sie keine Geschichte besäße, keine Relation und keine Identität.

Die Freude unter den Modeaffinen war groß: Pünktlich zur jüngst zu Ende gegangenen Berliner Fashion Week erfolgte die Ankündigung, dass das hippe japanische Modelabel UNIQLO jetzt auch in der Spreemetropole seinen ersten Standort in Deutschland eröffnen wird. Wie lange die Begeisterung anhält, wird sicher auch von der Expansionsstrategie und der Shopkonzeption, die das Modelabel verfolgt, abhängen. Gibt es die Läden bald in Hamburg, München, Düsseldorf oder Frankfurt ebenfalls, gehören sie schnell zum grauen Einheitsbrei innerstädtischer Zentren. Und der begeistert die Menschen immer weniger.

So belegte Köln mit der Schildergasse und der Hohe Straße laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Jones Lang LaSalle als Einkaufsstadt jahrelang Platz eins der beliebtesten Einkaufsmeilen. Mittlerweile sank sie in der Gunst der Konsumenten deutlich. Ein wesentlicher Grund: Handelsketten ersetzen den für ein einzigartiges, differenzierendes Stadtbild so wichtigen, regionalen Einzelhandel mit Überraschungsmoment und jungem Flair.

Damit verlieren Innenstädte ganz offensichtlich einen wichtigen Teil ihrer Unverwechselbarkeit und damit Anziehungskraft und Attraktivität. Schon 1992 bezeichnete der französische Anthropologe Marc Augé die Shoppingmall als sogenannten „Nicht-Ort“, weil sie keine Geschichte besäße, keine Relation und keine Identität.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Laut Peter Glöckner vom Managementunternehmen IPH sind außerdem rund 40 Prozent der Einkaufszentren sanierungsbedürftig. Darüber hinaus verschärft der steigende Onlinehandel die Konkurrenzsituation, denn auch hier wird um die Gunst der Käufer gekämpft.

Die Bedürfnisse der Menschen ändern sich. Sie wollen heute Regionalität, Identifikation und Authentizität. Angebote, die auf die Lebenswelten eingehen, sinnvolle Vernetzung und attraktive Serviceleistungen werden immer dringender. Eine Herausforderung, die von Integration und Kooperation nur profitieren kann. Lebensmittelhändler Edeka macht es vor: In enger Zusammenarbeit mit lokal ansässigen Landwirten und Lieferanten erhält das Warenangebot eine wahrnehmbar regionale Komponente – mit Erfolg, wie man sieht.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (1)

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mon_yburns@central.banktunnel.eu

07.02.2014, 13:14 Uhr

Wenn zwei odder drei Shopping-Malls garantieren daß es überall den gelichen Standard gibt so daß sich ortsfremde zurechtfinden ist das gut. Aber in den Top-Einkaufslagen sollte auch Regionalität gefördert werden. In die Pariser Innestadt gehört eine Handlung für französische Rotweine genau wie der griechische Euro-Regenschirmhandel nach Frankfurt.

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