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29.04.2016

20:21 Uhr

Der Werber-Rat

Verdienen Fußballer zu viel Geld?

VonChristoph Metzelder

Wofür Otto-Normal-Verdiener ein ganzes Jahr schuften muss, bekommen manche Fußballer innerhalb einer Woche bezahlt. Ganz klar also, dass Fußballer zu viele verdienen. Doch stimmt das? Ganz so einfach ist es nicht.

Der Star-Spieler von Real Madrid verdient viel Geld – und das zeigt er auch. Imago

Cristiano Ronaldo

Der Star-Spieler von Real Madrid verdient viel Geld – und das zeigt er auch.

In der vergangenen Woche nahm Darmstadts Torjäger Sandro Wagner Stellung. Zu aalglatten Berufskollegen, der Neidkultur im Land und den – aus seiner Sicht – zu geringen Bezügen der Fußballprofis. Parallel meldete sich der spanische Europameister Juan Mata vom Fußball-Giganten Manchester United mit einer überraschenden Botschafter: „Fußballer verdienen (…) lächerlich viel Geld (…). Verglichen mit dem Rest der Welt ist es ein unanständiger Lohn.“ Turbokapitalist Wagner versus Fußball-Kommunist Mata: Obszön ist beides.

Wie so oft, ist es mit der Wahrheit nicht so einfach. Fußballvereine sind mittelständische Unternehmen, die in der Spitze mittlerweile einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro im Jahr erzielen. Das tun sie mit ihrem Kernprodukt, der Leistung der Spieler auf dem Rasen. Aber auch immer mehr mit Storys der Protagonisten außerhalb des Grüns.

Bei einer Personalkostenquote von knapp 39 Prozent partizipieren die Spieler der Bundesliga im hohen, aber gesunden Maße von den Erlösen der Klubs. Fußballprofis in Deutschland verdienen nicht zu viel oder zu wenig, gemessen am Umsatz ihrer Arbeitgeber. Allerdings ist diese Diskussion in Zeiten von Finanz- und Flüchtlingskrise und der daraus resultierenden Gefahr für den sozialen Frieden mehr als überflüssig.

Anders verhält sich wiederum die Situation in den alimentierten europäischen Großklubs. In England, Spanien oder Frankreich liegt die Personalintensität laut Deloitte bei 58 Prozent. Eine surreale Dimension im Vergleich zu klassischen Unternehmen. Mata hat die Chance, bei Vertragsverhandlungen sein eigenes Gehalt an seine Moralvorstellungen anzupassen. Das wird natürlich nicht passieren. Und es ist auch nicht schlimm.

Denn es ist nicht unmoralisch, viel Geld zu verdienen. Es ist unmoralisch, es nur für sich zu verwenden. Daher gilt: Es zählen Taten – nicht die Worte.

Der Autor: Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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