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27.02.2014

21:46 Uhr

Der Werber-Rat

Verlassenes digitales Feld

VonUli Mayer-Johanssen

Infos, Daten, Algorithmen: Immer weniger Firmen teilen sich wichtige Märkte. Die vierte industrielle Revolution hat längst begonnen – doch viele Konzerne vernachlässigen ihre Digitalstrategie.

Auch die Umbenennung in „neckermann.de“ half nicht, den Niedergang zu stoppen: Die Neckermann-Zentrale in Frankfurt im September 2012. Reuters

Auch die Umbenennung in „neckermann.de“ half nicht, den Niedergang zu stoppen: Die Neckermann-Zentrale in Frankfurt im September 2012.

Das Internet als Wachstumstreiber scheint in der Realität vieler Unternehmen noch nicht angekommen zu sein. Dabei liegt es in ihrer Hand, ob sie, um Kunden zu binden und neue zu gewinnen, ihre Erfahrung, ihre Inhalte wie ihre Kompetenz in neue Services in digitale Kanäle überführen. Wie heißt es in einem Lied von Wolf Biermann so schön: „Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.“

Kein anderes Medium hat unser Leben, unsere Wirtschaft, unsere Konsumwelt so nachhaltig verändert wie das Internet. Gleichzeitig bietet es Spielräume für Experimente und Innovationen, die ganz offensichtlich in der sogenannten Old Economy nicht dazu geführt haben, sich dem Thema offensiv zu stellen.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Als das Fortune-Ranking jüngst die am meisten bewunderten Unternehmen präsentierte, geriet man jedoch ins Staunen. Auf Platz vier hatte es in der Kategorie „Delivery“ die italienische Post geschafft. Durch ihre Ausrichtung an den digitalen Möglichkeiten neuer Dienstleistungen wie mobiles Zahlen und Stromablesung durch den Postboten wurde die Poste Italiane rentabel und für Investoren attraktiv. Das aufgebaute Markenkapital bot ganz offensichtlich eine gute Grundlage für die Zukunftsfähigkeit der Firma.

In Deutschland gibt es mit Unternehmen wie Adidas, Deutsche Post und SAP Vorzeigekonzerne mit erfolgreichen Digitalstrategien – sie machen aber nur einen Bruchteil der deutschen Wirtschaft aus. Eine Untersuchung der Beratung Accenture zeigt, dass von den Top-500-Konzernen in Deutschland die Hälfte der digitalen Entwicklung hinterherläuft. Quer durch alle Branchen überlassen sie den jungen, aggressiven Start-ups das Feld.

Amazon, ein Unternehmen des digitalen Zeitalters, wurde zum klassischen Beispiel, das den Untergang etablierter Marken wie Quelle und Neckermann besiegelte.

Mit dem Internet der Dinge, der technologischen Vernetzung durch Informations- und Kommunikationstechnologie, steht der nächste Innovationsschub vor der Tür. Firmen wie Samsung und Google werden zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für klassische Industrien. Wieder wird es darum gehen, das Feld nicht jenen zu überlassen, die keinen Content, sondern nur technologisches Know-how besitzen.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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