Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.08.2013

09:02 Uhr

Der Werber-Rat

Vertrauen verspielt

VonUli Mayer-Johanssen

Das jüngste Korruptionsbarometer zeigt einen dramatischen Vertrauensverlust in demokratische Institutionen und in die Medien. Die öffentliche Kommunikation braucht einen Neustart.

Die Medien verspielen Vertrauen durch die zunehmende Boulevardisierung. dpa

Die Medien verspielen Vertrauen durch die zunehmende Boulevardisierung.

Korruption ist ein Begriff, den wir bislang in Deutschland eher mit Bestechungsvorgängen in anderen Regionen der Welt in Verbindung brachten. Doch jetzt enthüllt die jüngste Umfrage der Antikorruptionsorganisation Transparency International eine dramatische Wende. Das Vertrauen in die Seriosität von wichtigen Institutionen der Demokratie in unserem Land scheint tief erschüttert. Auf einer Skala von eins (nicht korrupt) bis fünf (höchst korrupt) schneiden die Parteien in Deutschland mit einem Wert von 3,8 am schlechtesten ab. Das ist nicht weiter überraschend.

Dramatisch ist jedoch das schlechte Ansehen der Medien. Sie landen mit einem Wert von 3,6 auf dem dritten Platz der Institutionen, denen Deutsche am wenigsten vertrauen.

Schuld daran sind die Medien selbst. Undurchsichtige Gegengeschäfte, unverhohlene Schleichwerbung sowie Korruptionsfälle bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wecken zu Recht Misstrauen. Hinzu kommt die zunehmende Boulevardisierung von Inhalten. Die privaten Sender kämpfen mit immer extremeren Trash-Formaten um die Zuschauergunst. Auch die Öffentlich-Rechtlichen bedienen sich zunehmend der „Geissens“ und „Cindys aus Marzahn“.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Einzig die Wochenzeitung „Die Zeit“ setzte sich vor einigen Monaten selbstkritisch mit ihrem eigenen Blick auf Wahrheit und die mitunter zwiespältige Position von Autoren auseinander. „Journalisten sprechen von der nötigen Zuspitzung. Sie meinen Dramatisierung. Jede Beschreibung ist nur ein Splitter der Realität, vielleicht sähe ein Zweiter im selben Moment etwas ganz anderes“, so Jörg Burer im „Zeit-Magazin“. Eine erfrischend ehrliche Sicht.

Nicht nur in den Medien, sondern in allen öffentlichen Organisationen braucht es offensichtlich einen Neuanfang in der Kommunikation und in der Auseinandersetzung mit der Welt.

Vertrauen basiert auf Transparenz und Ehrlichkeit. Die Ergebnisse des Korruptionsbarometers zeigen, dass Menschen ernst genommen werden wollen. Wir müssen der Krise den Geschmack der Katastrophe nehmen und Oberflächlichkeit und Banalisierung keinen Raum geben, damit Erkenntnis zu Veränderung führen kann.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

hermann.12

09.08.2013, 14:46 Uhr

Dem Artikel ist kaum noch was hinzuzufügen. Das Auflage leichter mit Skandalisierung erzielbar ist, ist eben eine große Versuchung.
Aber selbst wenn es Unregelmäßigkeiten gibt werden sie nur noch selten relativ zu ihrer Bedeutung eingeordnet.

Wenn eine Landesregierung in NRW gegen die Verfassung verstösst, Rekordschulden anhäuft in gigantischem Ausmaß und dies praktisch medial wie juristisch folgenlos bleibt, dafrü eine simples Plagiat, was kaum der der Öffentlichkeit sachlich schadet oder ein paar tausend Euro Zinsersparnis erzielt werden, bei denen man sich sogar noch streiten kann, ob es wirklich Vorteilsnahme war.
Dann stimmt einfach die Verhältnismäßigkeit nicht mehr.
Wenn Plagiate und Kredite Untersuchungsauschüsse rechtfertigen, müsste der Verfassungsbruch mindestens zur Forderung nach Gefängnisstrafen führen. Das ist hochgradig kriminelles Verhalten! Dagegen sind die Verfehlungen von Uli Hoeneß geradezu Peanuts!
Politische Opportunität scheint aber wohl vor zu gehen.
Da braucht es keine Geißens um Vertrauen zu verlieren, denn mit Vertrauen haben diese Sendungen nichts zu tun. Das ist nur eine Niveaufrage, keine des Vertrauens oder der juristischen Verhältnismäßigkeit.
Das ist auch nicht so einfach zu beheben, es erfordert personelle Konsequenzen. Es ist niemals glaubwürdig, wenn die Personen, die bisher schon kein moralisches Rückgrad (Politik)oder journalistische Sorgfalt bewiesen haben
einfach ihren Stil ändern. das wäre ja nur der aktuellen Opportunität geschuldet. Das ist abgesehen von der unterschiedlichen Schwere eben genau so als hätten Nazis und Stasi Leute einfach weitermachen dürfen

H.

halidu

09.08.2013, 15:21 Uhr

Vielleicht sollten Sie diesen Artikel den Redakteuren von HB-online vorlegen. Mit ihrer Berichterstattung oder besser Hetze gegen die AfD haben sich diese Damen und Herren selbst disqualifiziert

Account gelöscht!

09.08.2013, 16:31 Uhr

Glaubwürdigkeit, das genau ist das Thema.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×